Religions- wissenschaftliches  Institut  

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In Memoriam Kurt Rudolph (1929-2020)

Das Religionswissenschaftliche Institut der Universität Leipzig trauert um Kurt Rudolph. 

Kurt Rudolph war ein herausragender Religionshistoriker und einer der einflussreichsten deutschen Religionswissenschaftler in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Er war vor allem für seine Werke über die Religion der Mandäer, der Gnosis und des Gnostizismus bekannt, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Ebenso wichtig sind seine Beiträge zur Methodik und Selbstreflexion der Religionswissenschaft als akademische Disziplin. Er trat leidenschaftlich für die Religionswissenschaft als eine systematische und kritische Disziplin ein, die auf solider historischer Forschung beruht, um sowohl ideologischen als auch theologischen Agenden entgegenzuwirken.

Nach einer Berufsausbildung zum Zimmermann studierte Kurt Rudolph Religion, evangelische Theologie und semitische Sprachen an der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig, wo er 1956 zum Doktor der Theologie und ein Jahr später in Religionsgeschichte promoviert wurde. Im Jahr 1971 wurde er an derselben Universität Professor für Religionsgeschichte und vergleichende Religionswissenschaft. Wie sein Leipziger Lehrer und Vorgänger Walther Baetke, der sich als Historiker der nordischen und germanischen Religionen gegen die ideologischen Übergriffe des NS-Regimes gewehrt hatte, bestand Rudolph auf einer akribischen historischen Forschung als wesentliche Grundlage der Religionswissenschaft. Dieses Beharren erlaubte es ihm, die akademische Integrität der Disziplin trotz des starken ideologischen Drucks von Seiten der kommunistischen Regierung der DDR zu wahren. Obwohl die politischen Umstände den direkten Kontakt mit seinen westdeutschen Kollegen und der internationalen akademischen Gemeinschaft einschränkten, sicherten ihm seine Publikationen hohes Ansehen auch im westlichen Ausland. Er war Gastprofessor an der Universität Toronto (1980-1981), erhielt 1983 die Ehrendoktorwürde

der Universität St. Andrews, und von 1984 bis 1986 war er Gastprofessor an der Universität von Chicago und der UC Santa Barbara. Während seines Aufenthalts in den Vereinigten Staaten entschied er sich, nicht in die DDR zurückzukehren und verlor dementsprechend den Lehrstuhl an seiner Heimatuniversität in Leipzig und seine Mitgliedschaft in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. 1986 erhielt er einen Ruf von der Universität Marburg, wo er bis zu seiner Pensionierung 1994 als Professor für Religionsgeschichte tätig war. Mehrere der heute am Religionswissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig tätigen Professoren hatten das Glück, ihn als Lehrer zu erleben.

Kurt Rudolph, der auch die Ehrendoktorwürde der Universität Aarhus innehatte, verkörperte in vorbildlicher Weise die Religionswissenschaft als selbstreflexives und kritisches Fach. Lange bevor methodologische Kritik in Mode kam, befasste er sich mit theologischen und ideologischen Voreingenommenheiten, die die wissenschaftliche Integrität und Autonomie der Disziplin bedrohten. Neben seinen herausragenden wissenschaftlichen Leistungen steht sein Name für die Bewahrung der Leipziger Tradition der Religionswissenschaft in politisch schwierigen Zeiten. Die Universität Leipzig hat seine Verdienste verspätet mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde im Jahr 1995 gewürdigt.

Kurt Rudolph starb am 13. Mai, kurz nach Vollendung seines 91. Lebensjahres.


letzte Änderung: 04.06.2020