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Internationale Tagung

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Dur vs. Moll: Zum semantischen Potenzial eines musikalischen Elementarkontrasts. Kontinuitäten und Brüche in der neuzeitlichen Musik und Musiktheorie

Am 19.–22. November 2015 findet am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig eine internationale Tagung zur Semantik von Dur und Moll statt, in Kooperation mit der Universität Zürich und gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung Köln. Die Tagung wird organisiert von Hans-Joachim Hinrichsen und Stefan Keym.

ACHTUNG: Aufgrund kurzfristiger Absagen zweier Beiträge kommt es am Freitag Nachmittag und am Samstag zu folgenden PROGRAMMÄNDERUNGEN:

Freitag, 20.11.
Die Beiträge von Hartmut Grimm und Philipp Kreisig entfallen.

Nachmittagsprogramm:
15:00h Ulrich Leisinger
15:45h Stefan Keym
17:00h Arne Stollberg

Samstag, 21.11.
9:00h Marie-Agnes Dittrich
9.45h Matteo Giuggioli
11:00h Christoph Hust
11:45h Benedikt Leßmann
15:00h Shay Loya
15:45h Signe Rotter
17:00h Hans-Joachim Hinrichsen

Kontakt: keym(at)uni-leipzig.de.



Die Polarität der beiden 'Tongeschlechter' Dur und Moll zählt zu den Grundlagen der europäischen Musik der Neuzeit. Wie kaum ein anderer Aspekt des Tonsatzes wird sie mit einer festen semantischen Konnotation verbunden: Demzufolge drückt Dur positive Gehalte aus (Freude, Triumph), Moll hingegen negative (Trauer, Tragik). Aufgrund der leichten auditiven Identifizierbarkeit von Dur und Moll hat diese Konnotation die semantische Codierung und Deutung von Musik über Jahrhunderte maßgeblich geprägt – bis in die Gegenwart

Wann, wo und wie sich das mit der Dur-Moll-Tonalität verbundene semantische Paradigma herausge­bildet und wie weit es sich allgemein durchgesetzt hat, wurde bislang kaum untersucht. Dabei bietet sich das Thema geradezu an als Fallbeispiel, um den Zusammenhang von musikalischer Struktur und Semantik in unterschiedlichen historischen Kontexten zu beleuchten.

Die Tagung verfolgt die Geschichte der Semantik von Dur und Moll: von den Anfängen im 16. Jh. über die systematische Etablierung des Gegensatzes im Lauf des 18. Jh. und seine vielfältige Abstufung im 19. Jh. bis zu zitathaften Reminiszenzen in der Gegenwart. In den Beiträgen geht es weniger um einzelne Komponisten und Werke als vielmehr um breitere Strömungen und Traditionszusammenhänge (etwa in bestimmten Gattungen und Regionen). Außerdem werden Wechselwirkungen zwischen Musiktheorie und kompositorischer Praxis erörtert.

Programm (Stand: 29.9.2015)

Donnerstag, 19. November 2015

15:15  |  Begrüßung und Einführung (Hans Joachim Hinrichsen/Stefan Keym)
 

1. Teil: Theoretische und systematische Aspekte des Diskurses über Dur und Moll

15:45  |  Wolfgang Auhagen (Halle): Dur/Moll und die Geschichte der Tonartencharakteristik

17:00  |  Hermann Danuser (Berlin): Dur/Moll im Horizont musikalischer Topik

17:45  |  Nina Noeske (Hamburg): Keine Spielerei? Dur und Moll im (und als) Gender-Diskurs

 

Freitag, 20. November 2015

2. Teil: Entstehung und Entwicklung der Dur-Moll-Semantik in der frühen Neuzeit

9:00    |  Wolfgang Fuhrmann (Wien): 'Dur' und 'Moll' in der Musik des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Die Verfestigung einer Semantik ca. 1400–1550

9:45    |  Timothy Mc Kenney (Waco, Texas): Major and Minor Thirds and Chords as Means of Expression in the Italian Madrigal

11:00  |  Inga Mai Groote (Heidelberg): 'qui modus cui textui applicandus sit': Zum Umgang mit Modus-Charakteren um 1600

11:45  |  Ludwig Holtmeier (Freiburg i. Br.): Dur und Moll in der Musiktheorie des 18. Jh.
 

3. Teil: Die vollständige Etablierung der Semantik des Dur-Moll-Kontrasts im 18. Jh.

14:30  |  Philipp Kreisig (Marburg): Händels komposi­torische Gestaltung musikdramatischer Figuren im Kontext von Dur und Moll

15:15  |  Hartmut Grimm (Berlin): Dur/Moll in Musik­anschauung und Musik der Empfindsamkeit

16:30  |  Ulrich Leisinger (Salzburg): Haydn und der neue Typus des Sonaten-Allegro in Moll

17:15  |  Stefan Keym (Leipzig): "per aspera ad astra": Die Herausbildung der orchestralen Moll-Dur-Dramaturgie in Pariser Ouvertüren vor und nach der Französischen Revolution

 

Samstag, 21. November 2015

4. Teil: Variation und Ausdifferenzierung des Dur-Moll-Paradigmas im 19. Jh.

9:00    |  Arne Stollberg (Berlin): Essenz des Tragischen. Dur-Moll-Konstellationen in der Symphonik des 19. Jahrhunderts

9:45    |  Marie Agnes Dittrich (Wien): Dur/Moll in der Wiener Liedtradition von Schubert bis Mahler

11:00  |  Matteo Giuggioli (Zürich): Die Dramaturgie von Dur und Moll in der italienischen Oper des 19. Jh.

11:45  |  Christoph Hust (Leipzig): Dur und Moll bei Moritz Hauptmann
 

5. Teil: Dur/Moll und Neomodalität in den 'Nationalstilen' des 19. und frühen 20. Jh.

14:30  |  Shay Loya (London): Neither Major nor Minor: the crossing over of the "Transdanubian Third" into art music

15:15  |  Signe Rotter (Berlin): Dur/Moll und Neomodalität in skandinavischer Symphonik um 1900

16:30  |  Hans-Joachim-Hinrichsen (Zürich) und Ivana Rentsch (Hamburg): Dur/Moll und der Folk­lorismus bei Smetana und Dvořák

17:30  |  Benedikt Leßmann (Leipzig): Dur/Moll, Modalität und Gregorianik-Rezeption bei Debussy und anderen französischen Komponisten um 1900

 

Sonntag, 22. November 2015

6. Teil: Dur/Moll in der Neuen Musik

9:00    |  Wolfgang Mende (Dresden): Dur/Moll im russischen und sowjetischen Musikdiskurs

9:45    |  Ullrich Scheideler (Berlin): "Aus der Zweigeschlechtlichkeit ist ein Übergeschlecht entstanden!" Zum musiktheoretischen Diskurs über Dur und Moll im Kontext der Erweiterung und Auflösung der Tonalität

11:00  |  Felix Wörner (Basel): Dur/Moll-Relikte in 'posttonaler' Musik

11:45  |  Isabel Mundry (Zürich): Dur/Moll als Gestaltungsmittel in zeitgenössischer Musik

12:30  |  Abschlussdiskussion


 

Das Tagungsprogramm steht auch als Download zur Verfügung:
 

Flyer


letzte Änderung: 13.10.2016 

Kontakt

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04109 Leipzig
Telefon: 0341 9730-450
Telefax: 0341 9730-459
muwi(at)uni-leipzig.de

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