Historische Musikwissenschaft  

Historische Musikwissenschaft

Jede Form der Beschäftigung mit Musik befasst sich im engeren oder weiteren Sinne mit Musikgeschichte. Die speziell musikhistorische Forschung nimmt die Geschichte als gleichzeitig subjektiv und objektiv bestimmten Gegenstand in den Blick und bearbeitet sie kritisch und methodisch im engen Kontakt mit den Quellen. Obwohl traditionell immer noch eine Eingrenzung auf die sogenannte Kunstmusik vorherrscht, bildet intentional die gesamte Musikwelt das Arbeitsgebiet historischer Musikwissenschaft. In Leipzig sind wir bestrebt, auf der Basis einer breiten Ausbildung in den grundlegenden Fächern wie Tonsatz, Formenlehre, Instrumentenkunde, Notationskunde, Editionstechnik u. ä. innovative Ansätze zu verfolgen und werkimmanente Aspekte in ihre kulturhistorischen Zusammenhänge einzuordnen. Dies ist besonders ertragreich in bislang von der deutschen Forschung weniger beachteten Arbeitsbereichen wie einer regional- oder strukturgeschichtlichen Betrachtung.

Leitung: Prof. Dr. Stefan Keym

Abgeschlossene Projekte

Leipzig und die Internationalisierung der Symphonik

Untersuchungen zu Präsenz und Rezeption "ausländischer" Orchesterwerke im Leipziger Musikleben 1835–1914

Projektdetails

Datenbank "Leipziger Sinfoniekonzerte" (LSK)

Prof. Dr. Stefan Keym

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).

Musik in Portugal 1926–1974

Das Musikleben in Portugal während der Salazar-Caetano-Diktatur (1926–1974)

Dr. Gilbert Stöck und Dr. Katrin Stöck

Repertoireforschung zum Leipziger Thomanerchor

Datenbank zur Erfassung des Thomanerrepertoires

Teil des Projektverbundes "Wissensrohstoff Text - Digital Humanities an der Universität Leipzig" (WRoTe), gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Freistaat Sachsen.+#

Projektbeschreibung

Musica Migrans

Musica Migrans. Lebenslinien mittel- und osteuropäischer Musiker

Musica Migrans 3

Untersuchungen zum Repertoire der Konzert- und Oratorienvereine in Mittel- und Osteuropa im 19./20. Jahrhundert auf der Grundlage statistischer EDV-gestützter Erhebungen (Musica Migrans 3)

Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Projektdetails

Projektleiter: Prof. Dr. Helmut Loos, Prof. Dr. Gerhard Heyer
Mitarbeiter: Dr. Lucian Schiwietz, Martin Herms, Anna-Maria Kemper, Florian Schmieder, Dipl.-Inf. Peter Scholz

Anhand von Informationen über Musikaufführungen lassen sich nicht nur die Aufführungsaktivitäten musikalischer Institutionen und der mit ihnen verbundenen Personen und Gruppen des Musiklebens nachzeichnen, sondern auch Erkenntnisse zum Sozialstatus des Musikers, wie z. B. die sich über die Jahrzehnte ändernden Bedingungen des reisenden Virtuosen, des Dirigenten oder des Komponisten, gewinnen. Aufführungsinformationen legen zudem Vernetzungen und Interaktionen zwischen Musikern, Veranstaltern und musikalischen Institutionen offen, was nicht zuletzt für die Untersuchung der Migrationsprozesse im Kontext der historischen musikkulturellen Beziehungen zwischen dem deutschsprachigen Raum und Mittel- bzw. Osteuropa von größter Relevanz ist. Sie dokumentieren auch die Position "des Konzerts" im Sinne eines Topos kultureller Praxis im geographischen und sozialen Raum und ermöglichen Einsichten, wie Konzerte in der jeweiligen Gesellschaft verankert waren und wie sich die verschiedenen sozialen, ethnischen und politischen Gruppen durch sie musikkulturell identifizierten und repräsentierten. Sie geben damit auch Hinweise zur Frage der Durchlässigkeit zwischen Popular- und Hochkultur und der Bedingtheit des Musiklebens durch ideell-mentale und soziopolitische Kontexte. Alle so orientierten Untersuchungen benötigen ein tragfähiges Quellenfundament.

Im Rahmen des Projekts wurde eine EDV-gestützte Bestandsaufnahme zum Repertoire von für Mittel- und Osteuropa im 19./20. Jahrhundert repräsentativen Konzert- und Oratorienvereinen geleistet und sowohl der Forschung als auch der interessierten Öffentlichkeit als Datenbank online verfügbar gemacht. Mittels gezielter Suche ist es den Nutzern im Zugriff auf den erschlossenen Datenbestand möglich, die jeweils ihren Fragestellungen entsprechenden repertoire- und programmstatistischen sowie auch die damit zusammenhängenden institutions- und personenbezogenen Auskünfte zu erhalten. Die Evaluation, die sich auf die Zeitspanne von zwei Jahrhunderten konzentrierte, macht somit die Entwicklung der musikalischen und kulturgeschichtlichen Repertoireprofile der Konzert- und Oratorienvereine in Mittel- und Osteuropa greifbar. Sie bietet damit eine Grundlage nicht nur zur Darstellung des Musiklebens in Mittel- und Osteuropa in seinen interlokalen, interregionalen, internationalen und transnationalen Bezügen, sondern ebenso zur Beurteilung der dort "verorteten" Aufführungs- und Veranstaltungspraxis in soziologischer und soziopolitischer Hinsicht.

Hinsichtlich der auszuwertenden Quellenmaterialen wurde im Wesentlichen mit Experten im östlichen Europa zusammengearbeitet. Der Datenbestand wird im Rahmen der Möglichkeiten nach Projektende erweitert. Das Projektportal ist unter folgender Adresse im Internet frei zugänglich.

http://mm3.musicamigrans.de

 


letzte Änderung: 08.04.2019 

Kontakt

Institut für Musikwissenschaft
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Telefon: 0341 9730-450
Telefax: 0341 9730-459
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