Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann  

Lehrveranstaltung

Exkursionsseminar

Dienstag  11 Uhr   WMH 5/14
Start: 07.04.2020

Bachelorstudiengang
03-KUG-1203.SE01a
Masterstudiengang
03-KUG-1505.SE01a

St. Petersburg – „Fenster zum Westen“ und „Laboratorium der Moderne“

Erst im Jahre 1703 von Peter dem Großen im Sumpfgebiet an der Newa-Mündung gegründet (und also jünger als New York), wurde St. Petersburg schon wenige Jahre später zur neuen Hauptstadt der aufsteigenden Großmacht ausgerufen. Als des Zaren „Paradies“, wie dieser es nannte, sollte das „Amsterdam“ oder „Venedig“ des  Nordens nicht nur ein wichtiger Militärstützpunkt und ein beherrschendes Handelszentrum an der Ostsee werden, sondern auch das Ideal eines künftigen, modernisierten Russlands verkörpern. Das „Fenster zum Westen“, nach den Vorstellungen der Zaren vorwiegend von westeuropäischen Architekten gestaltet, wurde von Peters Nachfolgerinnen, Elisabeth I. und Katharina der Großen, weiter ausgebaut. Mit ihren Schlossanlagen, Palästen, Prospekten (insbesondere Newski-Prospekt) und der Kunstsammlung in der Eremitage mit ihrem eigenen, auch von der Aufklärung geprägten Profil stieg die Stadt im Laufe des 19. Jahrhundert zu einer der prächtigsten europäischen Metropolen auf. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde St. Petersburg zum „Laboratorium der Moderne“, von wo aus die Balletts Russes die Welt eroberten und wo Kazimir Malevitsch 1915 die ‚Ikone‘ der Avantgarde, Schwarzes Quadrat auf weißem Grund, schuf. Mit der Eroberung des Winterpalastes im Jahre 1917 wurde St. Petersburg zum zentralen Schauplatz der Oktoberrevolution. In der Stadt sollte utopische Revolutionsarchitektur errichtet werden, wie Vladimir Tatlins 400 Meter hohes Denkmal  der III Internationale, das niemals realisiert wurde. Nach Lenins Tod 1924 in Leningrad umbenannt, erlitt die Stadt von 1941 bis 1944 die 900tägigen Blockade durch die Nazis und konnte erst nach jahrzehntelangen Restaurationsarbeiten die alte Schätze wieder erstehen lassen. Das geraubte Bernsteinzimmer in Zarskoe selo wurde rekonstruiert. Im Seminar werden nicht nur die urbane Struktur, Architektur und bildende Kunst untersucht, sondern auch das ästhetisch-historische Bild, das von der Metropole des Nordens vermittelt wurde. Thema sind so auch Zeitschriften wir Mir Iskusstva/Welt der Kunst, allgemein die verschiedenen Erinnerungsschichten der Stadt, die durch Medien wie Fotografie und Film überliefert sind, u.a. Pudovkins Das Ende von St. Petersburg (1927), Eisensteins Oktober (1928) und Alexander Sokurovs Wir lesen das Blockadebuch (2009). Zudem werden auch literarische Einblicke in St. Petersburg von Alexander Puschkin, Nikolai Gogol, Fjodor Dostojewski und Vladimir Nabokov gegeben. Im Rahmen der Veranstaltung werden neben traditionellen kunsthistorischen Methoden also auch die Instrumentarien der Erinnerungs- und Raumstudien angewandt.

Literatur:  Wird im Seminar bekannt gegeben.

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letzte Änderung: 28.02.2020 

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