Die Universität Leipzig ist ein wichtiges Zentrum für innovative Forschung in den Bereichen der Globalisierung und der transregionalen Forschung. Das Institut für Ethnologie trägt mit einer Reihe drittmittelfinanzierter Projekte dazu bei. Unsere Forschungsschwerpunkte sind Technologie und Staatsbürgerschaft, soziale Gerechtigkeit und Rechte, Ernährungssicherheit und Imaginationen von Land, neoliberale Formationen und Entrepreneurship, Migration sowie ökologische Transformationen.

Reis und Kohle in Messingschalen
Ritualgegenstände, Peej Tempel, Himachal Pradesh 2019, Foto: Arne Harms

Aktuell laufende Forschungsprojekte

Die Forschung am Institut für Ethnologie beschäftigt sich aktuell schwerpunktmäßig mit Politik und Governance im Rahmen von Digitalisierung, Fragen von Inklusion und sozialer Gerechtigkeit, Umwelterleben und Wellbeing. Ziel ist empirisch gesättigte Theoriearbeit sowie ein Verständnis für aktuelle politische Imaginationen und Utopien, die Zukunft gestalten.

Digitale Verwaltung und Neuverräumlichung des indischen Nationalstaates

Das Teilprojekt untersucht die Rolle von Raumentrepreneur_innen für die räumlichen Folgen des Aufbaus einer digitalen Verwaltungsstruktur in Indien. Im Vergleich der drei Perspektiven auf Planung, Umsetzung und Aneignung digitalisierter Verwaltung beschreibt das Teilprojekt systematisch den Wandel des Raumformats Nationalstaat und schafft damit ein theoretisches Verständnis der bisher wenig untersuchten Verräumlichungseffekte gegenwärtiger digitaler Infrastrukturprojekte.

  • Mittelgeber:
    DFG (Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs "Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen")
  • Laufzeit:
    2020 – 2023
  • Projektleitung:
    Ursula Rao


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Reimaginationen von Land und Landwirtschaft im Kontext der Digitalisierung

Das Teilprojekt C04 untersucht im Rahmen des SFB 1199 Imaginationen von Land und Landwirtschaft im Kontext von Globalisierungsprozessen und fokussiert dabei insbesondere die Rolle, die digitalen Technologien in den letzten beiden Dekaden bei der Konzeption von Land und Landwirtschaft als alternativer Finanzanlageklasse zukommt. Das Projekt analysiert hierfür erstens, wie und mit welchen Interessen Akteur_innen digitale Landwirtschaften diskursiv konstruieren, präsentieren und entwickeln. Es untersucht zweitens, auf welche Weise digitale Technologien auf der Farmebene erprobt, angewendet und für die Konstruktion von Land und Landwirtschaft als Finanzanlageklasse genutzt werden. Im Zentrum steht entsprechend die Frage, wie Land und Landwirtschaft an der Schnittstelle zwischen Finanzialisierung und Digitalisierung reimaginiert werden, wie sich dabei digitale und nichtdigitale Elemente in Verräumlichungsbestrebungen verflechten und wie und mit welchem transformativen Potenzial sich diese Verräumlichungsbestrebungen auf bestehende Raumformate wie die Warenkette, aber auch den Nationalstaat beziehen. Das Projekt leistet so einen zentralen Beitrag zur Untersuchung der Frage, wie sich Imaginationen, Verräumlichungsprozesse und mittel- bzw. langfristig möglicherweise auch Raumformate und Raumordnungen durch den zunehmenden Einsatz digitaler Technologien verändern.

Mit dem Fokus auf den Wandel, den Digitalisierung der Landwirtschaft für die Imaginationen von Land mit sich bringt, knüpft das Projekt unmittelbar an die während der ersten Förderphase des SFB gewonnenen Erkenntnisse zur sich wandelnden Rolle von Land als globaler Ressource an. Land, so die Ausgangsbeobachtung der ersten Förderphase, ist vor dem Hintergrund von Klimawandel, einer wachsenden Weltbevölkerung und mehrfacher Ernährungskrisen wieder verstärkt in das Zentrum von Ressourcenkonflikten gerückt. Das Projekt befasste sich am Beispiel von Australien mit den vielfältigen und teils konfligierenden Imaginationen von Land und untersuchte die Neuaushandlungen von Land und Landwirtschaft mit Blick auf die Investitionen neuer Akteur_innen aus den arabischen Golfstaaten und China einerseits sowie seitens des internationalen Finanzsektors andererseits. Darauf aufbauend wird in der zweiten Förderphase die Reimagination von Land und Landwirtschaft als alternative Finanzanlageklasse weiterverfolgt und mit der Analyse digitaler Technologien verbunden.

  • Mittelgeber:
    DFG (Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs "Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen")
  • Laufzeit:
    2020 – 2023
  • Projektleitung:
    Sarah Ruth Sippel


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Infrastrukturbau und die Gestaltung von Asien durch Anpassen, Vereinheitlichen und Kooperieren

Investition im Bereich des Infrastrukturbaus spielt eine wichtige Rolle im Rahmen der aktuell sich ereignenden Transformationen in Asien. Diese Themenlinie der Shaping Asia Netzwerk-Initiative erforscht, wie neue Infrastrukturprojekte Gesellschaft gestalten. Es geht dabei um die rekursiven Prozesse, durch die sich Asien, Nationalkontexte in Asien und Lokalität aufeinander bezogen verändern. Unser Vorgehen ist komparativ und betrachtet sowohl Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen asiatischen Ländern, als auch deren gegenseitige Beeinflussung. Als Ausgangspunkt für den Vergleich dienen die drei Prozesse der Anpassung, Vereinheitlichung und Kooperation. Die drei Arbeitsthemen (Focus Areas) beschäftigen sich mit den Fragen (1) wie neue digitale Verwaltungssysteme an lokale Verhältnisse angepasst werden, (2) welche vereinheitlichenden Impulse von global zum Einsatz kommenden Technologien zum Schutze gefährdeter Küsten ausgehen und (3) welchen Charakter die internationale Zusammenarbeit hat, die dem Bau von Mobilitätsinfrastruktur in Grenzgebieten gestaltet. Die beteiligten Wissenschaftler*innen sind ausgewiesene Expert*innen in den drei Feldern. In diesem Projekt entwickeln sie innovative Methoden des Vergleichs von in unterschiedlichen asiatischen Ländern angesiedelten Fallstudien. Ziel ist ein Verständnis für die Auswirkungen des Infrastrukturbaus auf politische Kulturen und trans-regionale Verbindungen. Im Austausch mit anderen Mitgliedern der Shaping Asia Netzwerk-Initiative und weiteren internationalen Asienexperten, entwickelt dieses Projekt ein Verständnis für den Prozess, durch den die Zukunft Asiens gestaltet wird.


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Die Rekonfigurierung von mentaler Gesundheit im Kontext von Digitalisierung

Mental Health- und Psy-Diskurse migrieren zunehmend in das digitale Medium. Obwohl die Digitalisierung als Teil neoliberaler Psychopolitik für die (Selbst-)Sorge und die Bewältigung mentaler Schwierigkeiten immer wichtiger wird, existiert bislang nur wenig medizinanthropologische Forschung darüber.  Das Projekt untersucht die Rekonfigurierung von Gesundheit und (Selbst-)Sorge unter digitalen Bedingungen. Im Zentrum der Untersuchung stehen neue digitale Technologien bei der Bewältigung mentaler Schwierigkeiten und die diskursive Konstruktionen von gesundheitsbezogenen Auswirkungen digitaler Lebenswelten auf (psychische) Gesundheit und Wohlergehen. Welche Effekte hat der Rückgriff auf neue Technologien auf die Art und Weise, wie Menschen ihren Alltag heute gestalten und mentalen Herausforderungen begegnen? Welche neuen Mensch-Technik-Beziehungen entstehen? Welche visionären ethischen und politischen Projekte bilden sich heraus und welche dystopischen Erzählungen prägen lokale Erfahrungswelten und führen zu politischem Handeln?

  • Mittelgeber:
    DFG
  • Laufzeit:
    2019 – 2024
  • Projektleitung:
    Claudia Lang

Umgang mit der gewaltsamen Vergangenheit in Somalia: Forensisch-anthropologische Interventionen in Somaliland und ihre Auswirkungen über den lokalen Kontext hinaus

Diese Forschung konzentriert sich auf jüngste Initiativen zur Ausgrabung von Massengräbern in der international nicht anerkannten Republik Somaliland (Nordwest-Somalia). Es wird untersucht, wie die Menschen vor Ort forensische anthropologische Interventionen verstehen und darauf reagieren, wie diese Interventionen stattfinden und welche Interessen dabei eine Rolle spielen. Das Projekt versteht die forensisch-anthropologische Arbeit als Teil eines „globalen Systems der Rechenschaftspflicht“ (global accountability regime), welches die Aufarbeitung vergangener Gräueltaten befördert. Eine wichtige Forschungsfrage ist, wie sich das von forensischen Anthropologen vorgebrachte und von internationalen Menschenrechtsanwälten unterstützte Verständnis von Wahrheit und Rechenschaftspflicht auf ein lokales Verständnis von („angemessenem“ / „gutem“) Tod und Gerechtigkeit bezieht (oder diesem widerspricht). Außerdem befasst sich das Projekt auch mit den praktischen Fragen: Was kann aus den laufenden forensischen Interventionen in Somaliland für Somalia generell in Bezug auf den Umgang mit der gewaltsamen Vergangenheit gelernt werden? Welche Bedeutung hat die forensische Anthropologie allgemein für (Post-) Konfliktsituationen im globalen Süden und insbesondere für sunnitisch-muslimische Kontexte?

  • Mittelgeber:
    2019 – 2020: London School of Economics and Political Science (LSE) mittels Conflict Research Fellowship Programms
    2015 – 2018: Daimler und Benz Stiftung (Projekt: 32-06/14)
  • Laufzeit:
    2015 – 2020
  • Projektleitung:
    Markus Höhne

 

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