Institut für Indologie und Zentralasien- wissenschaften  

Forschungsprojekt 'Nyāyabhāṣya'

Forschungsprojekt (finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG), Dauer 3 Jahre, Beginn: 1.11.2010

Projektleiter: Prof. Dr. Eli Franco
wiss. Mitarbeiter: Dr. Yasutaka Muroya

Logik, Dialektik und Epistemologie der Nyāya Tradition: Eine kritische Ausgabe des fünften Kapitels der Nyāyasūtra und Nyāyabhāṣya

Der Nyāya („methodisches Denken,” „Logik”) ist eine der wichtigsten Traditionen der klassischen indischen Philosophie. Während der Kuṣāṇa-Dynastie (1.-3. Jh.) und der frühen Gupta-Herrschaft in Südasien (4.-6. Jh.) entwickelte sich die Nyāya-Tradition mit einer starken Betonung von Logik, Erkenntnistheorie und Metaphysik zu einem vollständigen philosophischen System. Seine autoritative, grundlegende Schrift, das Nyāyasūtra, besteht aus fünf Kapiteln und wird dem Weisen Akṣapāda aus der Gotama-Sippe zugeschrieben. Gegen Mitte des 5. Jh. wurde der Text von anonymen Redaktoren endgültig festgelegt und von Pakṣilasvāmin Vātsyāyana in der 2. Hälfte des 5. Jh. kommentiert. Vātsyāyanas Kommentar, das Nyāyabhāṣya, ist nicht nur für unser Verständnis der frühen Phase der Nyāya-Philosophie und der frühesten Form des Nyāyasūtras außerordentlich wichtig, sondern auch für die Erweiterung unseres Wissens von anderen dialektischen und philosophischen Traditionen, insbesondere in Bezug auf die früheren Traditionen der ānvīkṣikī („methodische Untersuchung”) und vāda („Argumentation,” „Disputation”). Trotz seiner unbestreitbaren Bedeutung ist das Nyāyabhāṣya immer noch nicht kritisch ediert. Der große Bedarf einer wahrlich kritischen Ausgabe wird von einem vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) geförderten Projekt, welches seit 2004 in Wien unter der Leitung von Prof. Karin Preisendanz läuft, erwiesen. Das hier Projekt wurde als Vervollständigung des Wiener Projektes, welches sich nur auf die ersten drei Kapitel beschränkt, konzipiert. Es bezweckt eine kritische Ausgabe des fünften Kapitels, das sich mit jāti (“ausgeklügelte Erwiderung”) und nigrahasthāna („Stellen der Niederlage“ in einer öffentlichen Debatte) beschäftigt. Wenn erfolgreich, wird ein weiteres Projekt zum vierten Kapitel geplant, damit eine vollständige kritische Ausgabe des Nyāyasūtra und -bhāṣya der Forschung zugänglich wird. Um den historischen und kritischen Text zu etablieren, werden etwa 35 Handschriften des Nyāyabhāṣya, dessen Kopien meistens bereits erworben sind, zusammengetragen. Wir werden uns weiterhin bemühen, Kopien von einigen anderen bekannten Handschriften anzufertigen bzw. weitere noch nicht bekannte Exemplare zu lokalisieren. Ebenso werden auch sekundäre Zeugnisse systematisch erfasst. Für die Kollationierung der Handschriften und die Herstellung der kritischen Ausgabe sowie des stemma codicum  werden spezielle Computerprogramme, welche die komplexen und ausführlichen Daten verarbeiten und die genealogische Analyse der Handschriften bewältigen können, verwendet. Der resultierende Text wird sowohl ein verlässliches Werkzeug für zukünftige Studien der Nyāya-Philosophie sein als auch die Basis für eine neue Übersetzung mit tiefgehenden historischen und philologischen Anmerkungen.


letzte Änderung: 05.03.2019 

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