Lehrgrabung am "Galgenberg" in Cuxhaven, OT Sahlenburg.

Cuxhaven 2013
Freilegung und Dokumentation von Pfostengruben während der Kampagne 2013 (© Ur- und Frühgeschichte Universität Leipzig)

Neue Forschungen am "Galgenberg" (Stadt Cuxhaven)

Im Cuxhavener Ortsteil Sahlenburg liegt ein größeres Ensemble prähistorischer Fundstellen, dessen Zentrum der sog. „Galgenberg“ bildet. Mit gut sechs Metern Höhe und einem Durchmesser von rund 60 Metern gehört er zu den eindrucksvollsten archäologischen Denkmälern im Stadtgebiet von Cuxhaven. Erste archäologische Erkundungen fanden bereits 1843/44 statt, systematischere Ausgrabungen dann im Jahre 1906. Kleinere Untersuchungen wurden bis in die 1950er Jahre hinein durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass den Kern des Galgenbergs ein großer Grabhügel bildet, der bereits vor rund 3500 Jahren, in der Bronzezeit, errichtet wurde.

Zwischen 600 v. Chr. und der Zeit Karls des Großen (um 800 n. Chr.) sind im engeren Umfeld des Hügels verschiedene Gräberfelder anlegt worden, von denen im Verlauf der Grabungen mehrere hundert Gräber (Urnen- und Körpergräber) geborgen worden sind. In einem benachbarten Areal konnten ferner Reste einer mittelalterlichen Siedlung sowie weitere Gräberbereiche dokumentiert werden (darunter in einiger Entfernung zum Galgenberg das bedeutende Reitergrab VI aus Sahlenburg).

Im Mittelalter ist der Galgenberg-Grabhügel selbst dann zu einem mit Wall und Graben befestigten »Wohn- oder Wehrturm« umgebaut worden. Von 1695 bis 1819 wurden an dieser Stelle die im Amte Ritzebüttel Verurteilten, hingerichtet. In den beiden Weltkriegen wurde der Galgenberg schließlich militärisch genutzt.

Heute ist das insgesamt rund zwei Hektar große Gelände ein Landschaftsschutzgebiet, das durch geeignete Pflegemaßnahmen und Wegeführung für Spaziergänger erschlossen werden soll. Dazu müssen die archäologischen Denkmäler in ihrer historischen Substanz geschützt werden. Zugleich ist es beabsichtigt, den Besuchern in Form von Tafeln auch Informationen zur Geschichte des Areals zur Verfügung zu stellen.

Grundlagen für diese Neuerschließung sollen wissenschaftliche Untersuchungen bilden, die archivalische Studien mit gezielten Geländeuntersuchungen verbinden. Nach vorbereitenden Arbeiten zwischen 2010 und 2012 finden seit Sommer 2013 am Galgenberg jährlich Grabungen statt, in deren Mittelpunkt die bisher nur schwer zu beurteilende mittelalterliche Ausbauperiode des Galgenbergs (mit Wehrturm, Trockengraben, Wall) steht. Als Lehrgrabungen dienen diese Maßnahmen zugleich der Ausbildung von Studierenden v.a. aus Leipzig.

Ziel der aktuellen Grabungen war es zunächst, ungestörte Bereiche zu lokalisieren und Hinweise zum Aufbau des Hügels zu finden. Dies gelang bereits im ersten Grabungsjahr im nördlichen Randbereich des Hügelplateaus, wo Steinsetzungen aus größeren Feldsteinen und Pfostenstandspuren auf eine Bebauung der Hügelkuppe hindeuteten. Diese Strukturen wurden in den folgenden Kampagnen weiterverfolgt. Dabei zeichneten sich die Reste eines Gebäudefundaments mit vorgelagerter Palisadenreihe ab, dessen Errichtung nach den bislang vorliegenden 14C-Daten bereits im frühen Mittelalter erfolgt ist.

Des Weiteren wurden am Fuß des Galgenberges sowie im Südostbereich des Plateaus Grabungsschnitte angelegt. In Verbindung mit den Erkenntnissen vom Nordbereich konnte so ein offenbar mehrphasiger Auf- und Ausbau des Hügels aus Heideplaggen und Sandschichten bis in eine Tiefe von ca. 2 m nachgewiesen werden. Bei der Errichtung dieser oberen Hügelschicht wurden vorgeschichtliche Objekte, darunter Leichenbrand und Urnenreste, umgelagert, die wohl aus dem an Funden reichen Umfeld des Galgenbergs stammen.

Für Studenten der Archäologie bieten die verhältnismäßig komplexen Strukturen auf dem Galgenberg die Möglichkeit stratigraphische Zusammenhänge kennenzulernen und die verschiedenen Dokumentationsschritte zu üben. Da außerdem Funde aus verschiedenen archäologischen Epochen zutage kommen, bietet der Galgenberg beste Voraussetzungen für eine lehr- und abwechslungsreiche Ausgrabung.

Kontakt

Prof. Dr. Ulrich Veit

Historisches Seminar
Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte
Ritterstr. 14, 4. Stock
04109 Leipzig

Telefon: +49 341 97-37051
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Andreas Wendowski-Schünemann M.A.

Stadtarchäologie Cuxhaven
Museum Windstärke 10
Ohlroggestraße 1
27472 Cuxhaven

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