Neuere und Zeitgeschichte 

Jürgen Dinkel, The Non-Aligned Movement: Genesis, Organization and Politics (1927-1992), New Perspectives on the Cold War 5, Brill: Leiden/Boston 2019

The Non-Aligned Movement had an important impact on the history of decolonization, South-South cooperation, the Global Cold War and the North-South conflict. During the 20th century nearly all Asian, African and Latin American countries joined the movement to make their voice heard in global politics. In The Non-Aligned Movement, Jürgen Dinkel examines for the first time the history of the NAM since the interwar period as a special reaction of the “Global South” to changing global orders. The study shows breaks and caesurae as well as continuities in the history of globalization and analyses the history of international relations from a non-western perspective. For this book, empirical research was undertaken in Germany, Great Britain, Indonesia, Russia, Serbia, and the United States. [mehr...]

Dirk van Laak: Alles im Fluss. Die Lebensadern unserer Gesellschaft - Geschichte und Zukunft der Infrastruktur, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2018, 366 Seiten

Sie sind die Lebensadern unserer Zivilisation: Datenautobahnen, Stromversorgung, Kanäle und Satelliten. In den letzten 200 Jahren haben sie die Umwelt und den Alltag der Menschen grundlegend verändert. Ohne sie wären weder der moderne Haushalt noch TV, Internet und Smartphones, weder Kolonialismus noch Globalisierung möglich gewesen.
Der Historiker Dirk van Laak schildert, wie diese Netze, Infrastrukturen genannt, weltweit entstanden sind und was sie bewirkt haben. Heute sind die Menschen von ihnen so abhängig wie nie zuvor. Denn ob Wasser, Güter oder Verkehr – alles muss fließen. Wenn U-Bahnen stillstehen oder die Lichter in den Städten erlöschen, scheint das ganze Leben auf Stopp zu stehen. Eindrucksvoll zeigt Dirk van Laak, wie zentral und zugleich verletzbar Infrastrukturen heute sind. Und dass wir neue Wege gehen müssen, um sie auch künftig im Fluss zu halten.

Dirk van Laak/Dirk Rose (Hg.): Schreibtischtäter. Begriff - Geschichte - Typologie, Göttingen: Wallstein Verlag 2018, 320 Seiten

Der Begriff des »Schreibtischtäters« nahm seit der Verurteilung Adolf Eichmanns eine erstaunliche Karriere. Der Organisator des Holocaust bündelte geradezu idealtypisch arbeitsteilige Prozesse, bürokratische Vernichtung und geteilte Verantwortlichkeit. Die Autoren kreisen die Entstehung, die Wirkung und die Problematik dieser Kategorie erstmals systematisch ein. Dabei werden Perspektiven der Literatur-, Kultur- und Zeitgeschichte mit solchen der Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaft verbunden. Der »Schreibtischtäter« erweist sich als eine charakteristische Figur der Moderne, der spezifische Medien zugeordnet sind. Als Anstifter oder Ausführender versteht er sich als »Rädchen« in einem »Getriebe«, das Juristen ebenso herausfordert wie Kultursoziologen, denn der Begriff besaß von Beginn an auch eine Tendenz zur Verharmlosung. Die erste kultur- und geschichtswissenschaftliche Vermessung einer problematischen (Rechts-)Figur des 20. und 21. Jahrhunderts.    

Uwe Fuhrmann: Die Entstehung der "Sozialen Marktwirtschaft" 1948/49, Tübingen: UVK Verlag 2017, 360 Seiten

Die Herausbildung der »Sozialen Marktwirtschaft« wird gemeinhin mit Ludwig Erhard, der Währungsreform 1948 und ordoliberalen Wirtschaftswissenschaftlern in Verbindung gebracht. Doch das ist eine unzutreffende Konstruktion, denn im Juni 1948 sprach noch niemand von »Sozialer Marktwirtschaft«. Im Gegenteil: Als die Deutsche Mark in Westdeutschland eingeführt und gleichzeitig die Wirtschaft reformiert wurde, strebten Erhard und andere eine »freie Marktwirtschaft« an.
Erst nach einem turbulenten Herbst wurde der Kurs der Wirtschafts- und Sozialpolitik geändert. Dazu waren jedoch heftige Unruhen auf den Märkten der Bizone, flächendeckende Proteste und schließlich sogar der bislang letzte deutsche Generalstreik im November 1948 nötig. Zum Jahreswechsel begannen dann die wichtigsten Akteure, insbesondere die CDU, auch eine veränderte Bezeichnung – nämlich »soziale Marktwirtschaft« – zu ihrem Programm zu machen. Vertreter des Ordoliberalismus waren an dieser Episode eher unbeteiligt.
Der Autor belegt diese Entwicklung unter Bezugnahme auf Michel Foucaults Diskursanalyse: Untersucht werden jedoch nicht nur Parlamentsreden und die öffentliche Meinung, sondern auch bislang unbeachtete Sozialproteste und wirtschaftspolitische Kursänderungen. Diese ganz unterschiedlichen Arten politischer Auseinandersetzung können durch die so entstandene Dispositivanalyse auch und gerade in ihren Verschränkungen begriffen werden. Das Ergebnis ist eine Genealogie der »Sozialen Marktwirtschaft«, die alle bisherigen Erzählungen zu ihrer Entstehung als fragwürdig erscheinen lässt.

Detlev Brunner/Michaela Kuhnhenne/Hartmut Simon (Hg.): Gewerkschaften im deutschen Einheitsprozess. Möglichkeiten und Grenzen in Zeiten der Transformation, Bielefeld: Transcript 2017, 184 Seiten

Die Rolle der Gewerkschaften im Prozess der deutschen Einheit fand bislang wenig Beachtung. Dabei gehörten sie von Anfang an zu den Kräften, die die gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation Ostdeutschlands mitgestalteten. In den Beiträgen des Bandes betrachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie ehemals Aktive aus Ost und West – ausgehend von ihren jeweils unterschiedlichen Perspektiven – die Möglichkeiten, Erfolge und Grenzen gewerkschaftlicher Politik und gewerkschaftlichen Handelns. Im Fokus stehen gewerkschaftliche Kontakte vor 1989, die Phasen von Umbruch und Vereinigung, die Arbeit der Treuhandanstalt und die Tarifpolitik. Herausgearbeitet werden dabei auch die Nachwirkungen des Transformationsprozesses.

Dirk van Laak: Archäologie des Alltags. Köln und seine Infrastruktur, Köln: Greven Verlag 2017, 64 Seiten

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs machte 2009 deutlich, wie brüchig die Fundamente sind, auf denen unsere Gesellschaft ruht. Über der Erde zeigt die marode Leverkusener Rheinbrücke, in welch eklatanter Weise wir von einer funktionierenden Infrastruktur abhängig sind. Wenn sie versagt, spüren wir die Auswirkungen unmittelbar. Sonst aber bleibt der Unterbau des modernen Lebens meistens unsichtbar. Dirk van Laak betreibt in diesem Buch eine Archäologie des Alltags und seiner Routinen, um die im Verborgenen wirkenden Infrastrukturen zutage zu fördern. Er spannt den Bogen von den Römern, die in Köln ihre Abwasserleitungen verlegten, bis zu den heutigen Einrichtungen des Verkehrs, der Kommunikation, Versorgung und Entsorgung. In einer Großstadt wie Köln verschränken und verdichten sich die historisch gewachsenen Netzwerke in geradezu atemberaubender Weise. Man muss sich ihrer Existenz nur erst bewusst werden.

Maria Paula Diogo/Dirk van Laak: Europeans Globalizing. Mapping, Exploiting, Exchanging, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2016, 312 Seiten

Over the course of 150 years, Europe's protean technologies inspired and underpinned the globalizing ambitions of European nations. This book aims to show how technology mediated European influence in the rest of the world and how this mediation in turn transformed Europeans. Europeans mapped, they exploited, and they exchanged - their interactions ranged from technological and biological genocide to treaties of cooperation and the construction of elaborate colonial infrastructures. Quite aside from the enormous variety of political settings, cultures and colonial programs, interrelations created dependencies on both sides. Cultural transfers were rarely unidirectional, and often a kind of Pidgin-knowledge emerged, a hybrid fusion of European and local knowledge and skills. As observers have rightly pointed out, Europe played both the role of 'Prometheus unbound' and the 'Sorcerer's apprentice'.

Detlev Brunner/Alfons Kenkmann (Hg.): Leipzig im Nationalsozialismus. Beiträge zu Zwangsarbeit, Verfolgung und Widerstand, Leipzig: Universitätsverlag 2016, 189 Seiten

Die in diesem Band versammelten Aufsätze greifen Themen auf, die in der „Geschichte der Stadt Leipzig“ nicht oder nur unzureichend bearbeitet werden können. Die Beiträge zum Komplex Zwangsarbeit bieten regelrechte Grundlagenforschung; neue Perspektiven richten sich auf den kommunistischen Widerstand und seine unterschiedlichen Deutungen. Zeitlich konzentriert sich die Mehrheit der Beiträge auf die Endphase des NS-Regimes. Die Verantwortung der Stadt zieht sich wie ein roter Faden durch die Publikation, die Verfolgung der Sinti und Roma ist hierfür ein Beispiel.
Das Besondere an den präsentierten Forschungen ist, dass sie in ihrer Mehrzahl im Rahmen von Abschlussarbeiten am Historischen Seminar der Universität Leipzig entstanden sind, weitere Untersuchungen werden in Form von Dissertationsprojekten und einem Habilitationsprojekt fortgeschrieben. Die Aufsätze repräsentieren somit einen Teil des wissenschaftlichen Ertrags zeitgeschichtlicher Forschung am Historischen Seminar der Universität Leipzig.

WerkstattGeschichte, Band 69: anti/koloniale filme, hg. Von Jürgen Dinkel und Dirk van Laak, erschienen am 24.11.2015

Inhalt unter anderem:

Jürgen Dinkel: Dekolonisation und Film – Ein Literaturbericht

Johannes Pause: Der Antagonismus der Räume und die Militanz des Blicks. Gillo Pontecorvos Battaglia di Algeri

Kai Nowak: Der Schock der Authentizität. Der Filmskandal um Africa Addio (1966) und antikolonialer Protest in der Bundesrepublik

Christoph Kalter, Inga Kreuder, Ulrike Peters: Nationalized Mourning, Nostalgic Irony: The Portuguese Decolonization in Film


letzte Änderung: 22.01.2019 

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