Die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ist eine traditionelle geschichtswissenschaftliche Disziplin, die die materiellen Bedingungen menschlichen Handelns untersucht. Die Leipziger Professur vertritt das Fach in Forschung und Lehre in seiner ganzen thematischen und periodischen Breite, das heißt: von der Antike bis in die Moderne, prinzipiell auf allen Erdteilen, aber mit Schwerpunkt auf Europa in der vorindustriellen Zeit.

Informationen zum WiSe 2020/21

Professor Denzel wird ein Forschungsfreisemester an der Universität Greifswald verbringen und deshalb keine Lehrveranstaltungen in Leipzig anbieten. Die anderen Hochschullehrkräfte unserer Professur werden seine Vorlesungen vertreten. Aufgrund der anhaltenden Infektionsgefahr werden weiterhin alle Veranstaltungen und Prüfungen in digitaler Form stattfinden.  

Studium und Lehre

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht aller Lehrveranstaltungen, die im Wintersemester 2020/21 von der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte angeboten werden. Beachten Sie dabei, dass Professor Denzel aufgrund eines Forschungsfreisemesters, das er an der Universität Greifswald verbringen wird, keine Vorlesungen hält. Um der anhaltenden Infektionsgefahr durch COVID-19 zu begegnen, wird unser Team auch im Wintersemester 2020/21 alle Veranstaltungen ausschließlich in digitaler Form anbieten. Bitte überprüfen Sie deshalb regelmäßig Ihr Unimail-Postfach und kontaktieren Sie bei Fragen gern das Hilfskraftteam. Auch die Prüfungsleistungen werden am Ende des Semesters als e-Klausuren abgehalten.

 

Ziele:
Die Studierenden sollen grundlegende Faktenkenntnisse und damit die Kompetenz erwerben, die folgenden Module chronologisch zu verorten. Dabei wird sowohl in die historischen Abläufe eingeführt als auch anhand von Quellentexten Zusammenhänge deutlich gemacht.
Inhalt:
Die Studierenden werden mit zentralen Ereignissen, wesentlichen Entwicklungstendenzen und grundlegenden Begriffen der Geschichte in Antike, Mittelalter und Neuzeit vertraut gemacht. Sie gewinnen einen ereignisgeschichtlichen Überblick, lernen die wichtigsten politischen Akteure kennen und setzen sich mit gesellschaftlichen, verfassungsrechtlichen und kulturgeschichtlichen Grundstrukturen zwischen antiker Polis und moderner Industriegesellschaft auseinander. Die Studierenden werden mit zentralen Periodisierungsbegriffen bekannt gemacht, mit einem belastbaren Daten- und Begriffsgerüst ausgestattet, über Strukturen und Prozesse informiert und zu einem vertieften Studium der Geschichte befähigt.
Übungen: 
• Alte Geschichte (Prof. Dr. Reinhold Scholl) - Freitag 15.15-16.45 Uhr 
• Überblickskurs Mittelalter (Prof. Dr. Matthias Hardt und Dr. Sebastian Roebert) - Mittwoch 15.15-16.45 Uhr 
• Europäische Geschichte der Neuzeit im globalen Kontext (PD Dr. Heinrich Lang) - Dienstag 17.15-18.45 Uhr  

Ziele:
Die Studierenden sollen mit Theorie und Methoden der Geschichte vertraut gemacht und erwerben die Kompetenz zur praktischen historischen Arbeit.
Dabei werden sowohl der Umgang mit hilfswissenschaftlichem Quellenmaterial (Leseübungen, Urkunden etc.) als auch die Methodik wissenschaftlichen Arbeitens (Bibliographieren, Recherche, etc.) eingeübt als auch zentrale Interpretationsmuster und Kontroversen des Faches vorgestellt.
Inhalt:
Die Studierenden werden mit zentralen Theorien, wesentlichen Methoden und grundlegenden Arbeitstechniken der Geschichte vertraut gemacht. Sie gewinnen einen ersten methodischen Überblick, lernen die wichtigsten theoretischen Ansätze kennen und setzen sich mit fach- und wissenschaftsdidaktischen Konzepten auseinander. Die Studierenden werden mit zentralen handwerklichen Techniken des historischen Arbeitens bekannt gemacht, über den Stand der fachinternen Diskussions- und Reflexionsprozesse informiert und zu einem vertieften Studium der Geschichte befähigt.
Übungen: 
• Übung A - Einführung in die Historischen Grundwissenschaften (Sven Jaros, Dr. Alexander Sembdner) - Di 9.15-10.45 Uhr; Di 15.15-16.45 Uhr; Do 9.15-10.45 Uhr 
• Übung B - Einführung in die Methodik wissenschaftlichen Arbeitens im Fach Geschichte (PD Dr. Werner Scheltjens) - Fr 9.15-10.45 Uhr 
• Übung C - Zeitgeschichte und Geschichtskultur (Sophia König, Dr. Stefanie Wiehl, Paul Schacher, Dr. Frank Britsche) - Mo 13.15-14.45 Uhr; Mi 9.15-10.45 Uhr; Mi 11.15-12.45 Uhr 

Ziele:
• Heranführung der Studierenden an das reflektierte Denken in historischen Dimensionen.
• Schärfung der Sensibilität für die zentrale Bedeutung geschichtlicher Strukturen und Prozesse für die Gegenwart.
• Kenntnis grundlegender Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft.
• Kenntnis grundlegender Fakten und Zusammenhänge der Moderne
• Einordnung geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen in interdisziplinäre Kontexte.
• Befähigung zur Einbringung des Erlernten in den eigenen Wissenschaftsbereich.
Inhalt:
Gerade die Komplexität der postmodernen Gesellschaft verlangt nach Selbstverortung des Subjekts in seinem jeweiligen Zeitkontext. Voraussetzung dafür ist ein Repertoire an Wissen über historische und kulturelle Zusammenhänge, welche die Lebensverhältnisse des Individuums prägen und geprägt haben. Dabei spielen die kollektiven menschlichen Erfahrungen eine zentrale Rolle, die Gesamtheit an Wissen über historische Strukturen, Prozesse und Ereignisse. Dies sind die notwendigen Basisinformationen, über die sich die „Aneignung von Welt“ vollzieht. Solche Deutungsmuster ermöglichen einen rationalen Umgang mit aktuellen Fragestellungen und Problemkonstellationen unserer Zeit.
Vorlesungen: 
• Imperien und Nationalstaaten in Europa. Das Ringen zweier Systeme im langen 19. Jahrhundert (PD Dr. Norbert Spannenberger) - Do 17.15-18.45 Uhr 
• Weltgeschichte der Neuzeit (Dr. Thomas Urban) - Mo 9.15-10.45 Uhr 

Publikationsübersicht

  • Heinrich Lang: Wirtschaften als kulturelle Praxis - Die Florentiner Salviati und die Augsburger Welser auf den Märkten in Lyon (1507–1559)

    Im frühen 16. Jahrhundert zählten die europaweit agierenden Florentiner Salviati und Augsburger Welser zu den bedeutendsten Handels- und Bankhäusern. Heinrich Lang stellt nicht nur deren Unternehmensgeschichten dar, sondern charakterisiert auch die engmaschig verwobenen und langfristig entwickelten Formen der Kooperation zwischen den beiden Unternehmungen.
    Grundlage der Untersuchung bilden vorwiegend die in Archiven der Toskana überlieferten Handelsakten von Florentiner Kaufmannbankiers; Lang interpretiert dabei deren Buchführung ausgehend von einem praxeologischen Ansatz. Sowohl die Qualität der archivalischen Überlieferung als auch die handlungstheoretisch motivierte Interpretation der Buchführung machen es erstmals möglich, die Beziehungen zwischen süddeutschen und toskanischen Unternehmen an verschiedenen Messestandorten wie Lyon und Antwerpen näher zu beleuchten – und so der Wirtschaftsgeschichte von um 1500 bis zum Bankrott der französischen Krone 1559 eine bislang ungekannte Tiefenschärfe zu geben.

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  • Mechthild Isenmann: Strategien, Mittel und Wege der inner- und zwischenfamiliären Konfliktlösung oberdeutscher Handelshäuser im 15. und "langen" 16. Jahrhundert
     

    Verwandtschaftlich verbundene Handelsgesellschaften waren eine "zentrale Grundkonstante" und die dominierende Unternehmensform in den oberdeutschen Handelszentren der Frühmoderne des 15. und "langen" 16. Jahrhunderts - vor allem in Nürnberg und Augsburg. Die familiären Strukturen boten auf der einen Seite besondere Chancen in einem engen und auf Vertrauen basierten gemeinsamen ökonomischen Handeln. Auf der anderen Seite bargen sie Risiken, die den unternehmerischen Erfolg, eventuell sogar den Fortbestand der Gesellschaft durch inner- und interfamiliäre Konflikte bedrohen konnten.
    Mechthild Isenmann analysiert solche Konfliktsituationen sowie mögliche Strategien, Mittel und Wege zu ihrer Prävention oder Bewältigung. Eine professionalisierte Ausbildung, die vertragliche Bindung und vor allem die Kommunikation durch Versammlung und Vermittlung stellen sich dabei als besonders effektive, häufig gewählte und positiv besetzte Maßnahmen heraus. Dabei erweist sich die Relevanz des Themas nicht nur für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, sondern - im interdisziplinären Sinne - auch für die allgemeine Konfliktforschung.

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  • Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (VSWG)
    (seit Januar 2010 Mitherausgeber)
  • Historische Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft (HMRG)
    (seit Januar 2010 Mitherausgeber)
  • Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte (BWSG)
    (Hrsg. von Markus A. Denzel, Jürgen Schneider, Philipp Robinson Rössner, Andrea Leonardi, Jürgen Nautz und Margarete Wagner-Braun; ersch. bei Franz Steiner Verlag, Stuttgart)
  • Beiträge zur europäischen Überseegeschichte (BEÜ)
    (Vormals Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte. Im Auftrag der Forschungsstiftung Europäische Überseegeschichte. Hrsg. von Markus A. Denzel, Hermann Joseph Hiery und Eberhart Schmitt; ersch. bei Franz Steiner Verlag, Stuttgart)
  • Studien zur Gewerbe- und Handelsgeschichte der vorindustriellen Zeit (SGHVZ)
    (Vormals Göttinger Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Hrsg. von Karl Heinrich Kaufhold, Markus A. Denzel und Philipp Robinson Rössner; ersch. bei Franz Steiner Verlag, Stuttgart)
  • Jahrbuch für europäische Überseegeschichte
    (Geschäftsführender Herausgeber: Markus A. Denzel; ersch. bei Harrassowitz Verlag, Wiesbaden)
  • Annales Mercaturae                                                                                   
    (Hrsg. von Markus A. Denzel und Mark Häberlein; ersch. bei Franz Steiner Verlag, Stuttgart)
  • Philipp Robinson Rössner (ed.)
    Cities - Coins - Commerce. Essays presented to Ian Blanchard on the Occasion of his 70th Birthday, Stuttgart 2012.
    zum Verlag
  • Thomas M. Devine / Philipp Robinson Rössner
    Scots in the Atlantic Economy 1600 – 1800, in: John M. MacKenzie / Thomas M. Devine (eds.), Scotland and the British Empire (Oxford History of the British Empire Companion Series), Oxford University Press 2012
    zum Verlag
  • Ekkehard Westermann / Markus A. Denzel (Hrsg.)
    Das Kaufmannsnotizbuch des Matthäus Schwarz aus Augsburg von 1548 (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte, Bd. 215), Stuttgart 2011.
    zum Verlag
  • Leos Müller / Philipp Robinson Rössner / Toshiaki Tamaki (eds.)
    The Rise of the Atlantic Economy and the North Sea / Baltic Trades 1500 – 1800. Proceedings of the XVth World Economic History Congress (Utrecht, The Netherlands 2009) (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 117), Stuttgart 2011.
    zum Verlag
  • Markus A. Denzel / Jan de Vries / Philipp Robinson Rössner (Hrsg.)
    Small is Beautiful? Interlopers and Smaller Trading Nations in the Pre-industrial Period, Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte, Bd. 213, Stuttgart 2011.
    zum Verlag
  • Markus A. Denzel
    Handbook of World Exchange Rates, 1590 – 1914, Farnham (Ashgate) 2011.
    zum Verlag

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