Ägyptologisches Institut 

Archäologische Forschungen im Ramesseum – Theben West

Archäologische Forschungen im Ramesseum – Theben West
In Kooperation mit der Mission
Archéologique Française de Thèbes-Ouest (MAFTO)
Grab der Gottesgemahlin Karomama (22. Dynastie) im Tempel der Tuja im Ramesseum entdeckt

Während seines Aufenthaltes in Luxor erwarb Karl Richard Lepsius bei einem Antiquar zwei Kanopen und neun Uschebtis der Gottesgemahlin Karomama (22. Dynastie), die, laut Verkäufer, aus einem Schacht im Ramesseum stammten[1]. Ein halbes Jahrhundert später veröffentlichte Quibell in seiner Publikation zum Ramesseum ein Uschebti mit dem Namen eben jener Gottesgemahlin[2]. Er macht keine genauen Angaben zur Fundstelle, aber dieses Objekt bestätigt nichtsdestotrotz, dass sich das Grab der Karomama an einer Stelle im Ramesseum befinden muss.

Im Rahmen der Grabungskampagne 2014 im Ramesseum wurde nun das Grab der Karomama entdeckt. Es befindet sich im nördlichen Sanktuar des Tempels der Tuja. Die Ausgrabung dieses Tempels findet in enger Zusammenarbeit zwischen der Mission Archéologique Française de Thèbes-Ouest (www.mafto.fr), dem Centre d’Étude et de Documentation sur l’Ancienne Égypte (CEDAE/SCA) und dem Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig unter der Leitung von PD Dr. Benoît Lurson statt. Finanziell gefördert wird dieses archäologische Projekt durch die Gerda Henkel Stiftung (http://www.gerda-henkel-stiftung.de/).

Das Grab besteht aus einem 5 Meter tiefen Schacht, an dessen Ende sich die Kammer anschließt. Im Schacht wurden in situ die Überreste eines beachtlichen Depots aus Opfern und Keramik gefunden. Der untere Teil der Absperrungsmauer des Eingangs zur Grabkammer ist noch intakt und besteht aus Steinen. Es wurden am Eingang zur Kammer ca. 30 fragmentarische Uschebtis mit dem Namen der Gottesgemahlin gefunden, die es ermöglichen, das Grab der Karomama zuzuweisen. In der Kampagne wurde nur der Eingang zur Kammer freigelegt.

Trotz ihres fast königlichen Status ist wenig über Karomama bekannt. Bis heute beschränkten sich die einzigen Objekte mit ihrem Namen auf ca. 15 Uschebtis (s. Photo), zwei Kanopen, eine Statuette der Maat (Herkunft aus Karnak), eine von Lepsius im Ramesseum gefundene usurpierte Statue (Berlin ÄMP 2278) und vor allem die exquisite damaszierte Bronzestatue im Louvre Museum (http://cartelfr.louvre.fr/cartelfr/visite?srv=car_not_frame&idNotice=17845&langue=fr)[3]. Infolgedessen hat der Fund nicht nur große Bedeutung für die Geschichte des Ramesseums und der dort angesiedelten Nekropole der Dritten Zwischenzeit. Er könnte auch einen Beitrag dazu leisten, diese Epoche Ägyptens besser zu verstehen. 

Photo 1: Der untere Teil der Absperrungsmauer des Eingangs zur Grabkammer

Photo 2: Untere Teile zweier Uschebtis noch in situ am Eingang der Grabkammer


[1] LD III, Taf. 256, b-c et f; LD III Text, S. 136-137.

[2] J. E. Quibell, The Ramesseum (ERA II), 1896, Taf. II, 11.

[3] S. K. Jansen-Winkeln, Inschriften der Spätzeit. Teil II: Die 22.-24. Dynastie, 2007, S. 226-228.


letzte Änderung: 28.09.2016 

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