Ägyptologisches Institut 

Ägypten in der Schule

Die Mitarbeiter

Dr. Nadja Braun
Stephanie Kuschnarëw M.A.

Das Projekt

Die Unterrichtseinheit „Ägypten – eine frühe Hochkultur“ wird im Geschichtsunterricht an deutschen Schulen in der 5. oder 6. Jahrgangsstufe unterrichtet. Doch wenngleich dieser Themenbereich zweifelsfrei zum Basiswissen des Faches Geschichte gerechnet werden kann, sind die Fachkenntnisse der Lehrerinnen und Lehrer in diesem Bereich mitunter unzureichend. Der Ägyptologe Dietmar Noering stellte bereits 1980 fest: „Der Ägyptologe wird mit dem Lehrer nachsichtig sein müssen. Tatsache ist, daß im Regelfall kein Fachwissen vorhanden sein wird. Die Beschäftigung mit dem Alten Ägypten gehört nicht
zur Ausbildung.“

Tatsächlich mangelt es auch bzw. gerade nach der Umstellung der universitären Ausbildung der Lehramtsanwärter auf den polyvalenten Bachelor an einem Modul zum alten Ägypten. Jeder Ägyptologe weiß jedoch, dass die Kultur und die Geschichte Ägyptens aufgrund der einzigartigen geographischen Beschaffenheit des ägyptischen Kulturraums, des Weltbildes der Ägypter, ihrer Gesellschaftsform sowie ihrer Religion keineswegs mit Rom oder Griechenland gleichgesetzt werden können, weshalb hier zwangsläufig „größere Lücken und Trägheitsmomente“ (Noering) entstehen als zu diesen nähergelegenen Fachbereichen.

Außerdem wurde von Seiten der Ägyptologie immer wieder auf bestehende Mängel und Fehler in den Schulbüchern hingewiesen. Seit einer ersten Untersuchung durch Rosemarie Klemm im Jahre 1979 kam es zwar zu Verbesserungen, doch wie eine neuere Untersuchung von Birger Schütt belegt, scheint in dieser Hinsicht weiterhin Handlungsbedarf zu bestehen. Während nämlich eine Lehrkraft in anderen Bereichen der Geschichte eventuelle Fehler in den Arbeitsmaterialien korrigieren kann, so muss sie sich im Bereich des alten Ägyptens viel stärker als sonst auf das verlassen, was die Schulbuchverlage als abgesichertes Wissen vorgeben.

Eine Zusammenarbeit zwischen Ägyptologie und Schule ist daher ein schon seit Langem bestehendes Desiderat, wenngleich man lange Zeit nicht wusste, in welcher Form ein solcher Austausch überhaupt stattfinden sollte. So kann es nicht genügen, wenn Ägyptologen den Lehrkräften (und Schulbuchverlagen) nur Fakten bereitstellen, da diese bei der didaktischen Aufbereitung falsch interpretiert werden könnten oder Fragen auftauchen würden, die ein Ägyptologe nicht bedacht hat. Auch die Museumspädagogik ist nicht in der Lage, diese Basisarbeit zu leisten, vielmehr sollten Museumsbesuche als gewinnbringende Ergänzung und Vertiefung des Unterrichts gesehen werden.

Das Projekt „Ägypten in der Schule“ hat es sich daher zum Ziel gesetzt, eine Basiseinheit zum Thema „Ägypten – eine frühe Hochkultur“ zu entwerfen, die auf ägyptologischem Fachwissen basiert, das so verkürzt und didaktisch aufbereitet wurde, dass es sich für den Einsatz im Geschichtsunterricht der Unterstufe eignet und den Anforderungen des Lehrplans gerecht wird.
Diese Unterrichtseinheit wurde im Schuljahr 2008/09 bereits erfolgreich einem ersten Praxistest unterzogen.

Das weitere Anliegen ist es nun, Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen von Fortbildungsseminaren nicht nur den Zugang zu geeignetem Quellenmaterial zu öffnen und ihnen grundlegendes Hintergrundwissen zu einzelnen Themenbereichen (z.B. Schrift, Königtum und Staat, Religion, Totenkult) zu vermitteln, sondern ihnen auch Unterrichtsmaterial an die Hand zu geben. Auf diese Weise soll es ihnen ermöglicht werden, die ägyptischen Quellen im Unterricht zum Sprechen zu bringen und den Schülerinnen und Schülern das Basiswissen über das alte Ägypten zu lehren.

Ein weiteres Ziel, das das Ägyptologische Institut – Georg Steindorff – der Universität Leipzig mit diesem Projekt verfolgt, ist es aber auch, im Rahmen solcher Seminare einen Raum für einen gewinnbringenden Austausch von Fachwissen und pädagogischem Wissen zu schaffen.


letzte Änderung: 19.09.2018 

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