Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann  

Lehrveranstaltung

Seminar

Dienstag  9 Uhr  WMH 5/14

Mythos und Geschichte in Comics und Graphic Novels

Obwohl Comics ein realitätsfernes Genre sind und für das Imaginäre sowie für Allmachtsphantasien freien Raum lassen, nehmen sie seit ihrer Entstehung stets am historischen Geschehen teil. In den USA wurden sie seit den 1930er Jahren, vor allem in Kriegszeiten, zu Propagandazwecken eingesetzt. Ihre Funktion war es, dem Feind die stereotype Gestalt des Bösen zu verleihen, die Kampfmoral in den eigenen Reihen zu stärken und die des Gegners zu schwächen. Vor allem Superhelden stellten ihre übermenschlichen Kräfte stets in den Dienst der amerikanischen Ideologie, der Ordnung und Moral: Der Superman hat als eine feste Serienfigur eine lange Entwicklung durch verschiedene Stadien der amerikanischen Geschichte durchgemacht, in denen sich die politische Umorientierung Amerikas vom Spanienkrieg über den Zweiten Weltkrieg und den Vietnamkrieg bis hin zum 11. September 2001 widerspiegelt.
Unter ähnlichen Umständen, nur mit einem anderen politischen Vorzeichen begann die Produktion von Comics und Comic-ähnlichen Genres (politische Karikatur, Avantgarde-Bücher, Lubok, ROSTA-Plakate) in der revolutionären Sowjetunion. Anders als in den USA wurde die Entwicklung durch den Kanon des sozialistischen Realismus, der die Satire und das Komische verpönte, abgebrochen. Nach 1989 erlebt das Comic-Genre erenuet eine Renaissance.
Im der Projeketarbeit wird das Verhältnis von Mythos und Geschichte in Comics und in Graphic Novels in den letzten Jahrzehnten in den USA und Osteuropa untersucht. Im Vordergrund steht die Frage, wie das Mythischen ins Historische und das Historische ins Mythische transformiert wird. Aus einer bildwissenschaftlich-kunsthistorischen Perspektive werden die Verfahren der Comics bzw. der Graphic Novels bei der Auseinandersetzung mit der Geschichts- und Erinnerungspolitik erforscht und durch Beispiele dokumentiert. Geplant sind ein Workshop, eine kleine Ausstellung sowie Präsentation der Ergebnisse auf der Leipziger Buchmesse.

 

Literatur: Grünewald: Dietrich (Hg.): Der dokumentarische Comic. Reportage und Biografie. Essen 2013; Iadonisi, Richard (Ed.): Graphic History. Essays on on Graphic Novels and/as History. Cambridge 2012; Marc D., The Virtues of Captain America: Modern-Day Lessons on Character from a World War II Superhero, New York 2014; Eder, Barbara/ Klar, Elisabeth/ Reichert, Ramon (HG.): Theorien des Comics, Bielefeld 2011; Dittmar, Jakob F.: Comic-Analyse, Konstanz 2011; Alaniz, José: Komiks. Comic Art in Russia. Jackson 2010; Adams, Jeff: Documentary Graphic Novels and Social Realism. Bern 2008; Frahm, Ole: Genealogie des Holocaust. Art Spiegelmans MAUS – A Survivor`s Tale. München 2006; Hein, Michael: Ästhetik des Comic, Berlin 2002; Platthaus, Andreas: Im Comic vereint: Eine Geschichte der Bildgeschichte. 2000; Witek, Joseph: Comic Books as History. The Narrative Art of Jack Jackson, Art Spiegelman, and Harvey Peaker. Jackson 1989; Grünewald, Dietrich, Comics- Kitsch oder Kunst: Die Bildgeschichte in Analyse und Unterricht, Ein Handbuch zur Comic-Didaktik, Basel 1982; Doetingen, Dagma v./Hartung, Klaus: Zum Thema Gewalt in Superheldencomics, Berlin 1974.

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letzte Änderung: 10.10.2017 

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