Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann  

Lehrveranstaltung

Vorlesung

Mittwoch  9 Uhr  WMH 5/154

Kunst der Revolution - Revolution der Kunst

Die Oktoberrevolution wurde als umstürzende Kraft und zugleich als „Lokomotive“ des beschleunigten historischen Fortschritts begriffen und der langsamen, kontinuierlichen, Traditionen bildenden Evolution entgegengestellt. Vor allem die russischen Avantgardekünstler waren bemüht, einen engen Zusammenhang zwischen dem politischen Umbruch und neuen Wegen der Kunst herzustellen, auch wenn diese bereits vor der Revolution beschritten worden waren. Das „neue Sehen“ als Zerstörung der herkömmlichen Sehgewohnheiten, ungewohnte künstlerische „Grammatiken“, die Überführung der Kunst ins politisch-soziale Leben der proletarischen Massen sowie ihre Verknüpfung mit Wissenschaft (Physiologie der Perzeption, Reflexiologie, Psychotechnik) und Technik (Radio, Synthesizer) wurden mit der Sprengkraft der Revolution gleichgesetzt. In der Vorlesung wird der Begriff der Revolution und seine Übertragung in die bildende Kunst (Abschaffung der Malerei, aktivistische, partizipative Massenkunst), die Fotografie (ungewöhnliche Blickwinkel, Fotomontage), Musik (maschineller Rhythmus und Geräusche), das Theater (Biomechanik) und den Film (verschiedene Montage-Konzepte) in der Sowjetunion analysiert.

Litaratur:  Tzvetan Todoerov: Le triomphe de l’artiste. La révolution et les artistes. Russie. 1917-1941. Paris 2017; Murray Frame: Russian culture in war and revolution, 1914 – 22. 2 Bde. Bloomington 2014; Margarte Vöhringer: Avantgarde und Psychotechnik. Wissenschaft, Kunst und Technik der Wahrnehmungsexperimente in der frühen Sowjetunion. Göttingen 2007; Wolfgang Mende: Musik und Kunst in der sowjetischen Revolutionskultur. Köln 2009; Stefan Jonsson: A brief history of the masses. Three revolutions. New York 2008; Gerald Raunig: Kunst und Revolution. Künstlerischer Aktivismus im langen 20. Jahrhundert. Wien 2005; Katerina Clark: Petersburg, cruscible of cultural revolution. Cambridge/Mass. 1995; Wolfram Frank/Hermann Schuh (Hg.): Reisen ans Ende der Sinne. Revolte, Revolution, Utopie. Tübingen 1991; Katalin Bakos: Kunst und Revolution. Russische und sowjetische Kunst 1910 – 1932. Wien 1988; Hubertus Gaßner/Eckhart Gillen: Zwischen Revolutionskunst und Sozialistischem Realismus (Dokumente und Kommentare, Kunstdebatten in der Sowjetunion von 1917 bis 1934). Köln 1979; John Millner: Russian Revolutionary Art. London 1979; Szymon Bojko: Rot schlägt Weiß. Die neue Graphik und das Design der russischen Revolution. München 1975; Leo Trockij: Literatur und Revolution. Wien 1924.

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letzte Änderung: 10.10.2017 

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