Institut für  Kunstgeschichte  

Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann


Profil

Tanja_Zimmermann
Tanja Zimmermann

Kunstgeschichte mit einem Schwerpunkt in der Kunst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas und ihren interkulturellen Beziehungen

 

 

 
Hausanschrift
Dittrichring 18-20,
04109 Leipzig, 5. OG, Raum 5/07
Telefon 0341/97 355-49
Telefax 0341/97 355-59
E-Mail: tanja.zimmermann(at)uni-leipzig.de

Vita

1. Ausbildung

15. Juni 2011

Habilitation an der Universität Konstanz, doppelte  Lehrbefugnis in Literaturwissenschaft/Slawistik und
Kunstgeschichte (Thema der Habilitationsschrift: Crossing
projections – Russland und der Westen im Spiegel des
Balkans)

Oktober 2000
 – Oktober 2003

Zweites Promotionsstudium in Slawischer Philologie an der LMU in München, Promotion: 16.02.2004 (Thema der
Doktorarbeit: Abstraktion und Realismus im Literatur- und
Kunstdiskurs der russischen Avantgarde)

April 1996
 – Juli 2000

Zweites Magisterstudium in Slawischer Philologie (Russisch, Polnisch, Serbokroatisch) und Geschichte Ost-  und Südosteuropas an der LMU in München (Thema der
Magisterarbeit: Der Doppelgänger als Projektion.  Filmpoetik im Roman - Romanpoetik im Film. Zu Despair von Vladimir Nabokov, Tom Stoppard und Rainer Werner Fassbinder (1932-1978)

September 1992
- Mai 1996

Promotionsstudium in Kunstgeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana,
Promotion: 24.3.1997 (Thema der Doktorarbeit: Die
Wandmalerei des späten 13. und des 14. Jahrhunderts in
(Slowenien)

September 1985
 -September 1991

Magisterstudium (mit Lehramt) in Kunstgeschichte und Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität  Ljubljana, Abschluss: 30.09.1991 (Thema der  Magisterarbeit: Die Fresken in der Vorhalle des Doms zu
Gurk in Kärnten, 1339-41)

1981 – 1985

Gymnasium Vida Janežič-Poljane in Ljubljana, Abschluss: 25.06.1985

2. Forschungsstipendien

März – Juni 1994

Forschungsstipendium am Kunsthistorischen Institut der Universität Wien

März – Dezember 1993

Forschungsstipendium des Freistaates Bayern im Rahmen der ARGE Alpen-Adria am Kunsthistorischen Institut der Universität Augsburg

3. Fellowships

Oktober 2012 – 2013

Fellow im Kulturwissenschaftlichen Kolleg in Konstanz – März Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“

4. Berufstätigkeit

seit 1.11.2014

Professorin für Kunstgeschichte mit einem Schwerpunkt in  der Kunst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas und ihren
interkulturellen Beziehungen an der Universität Leipzig

01.04.2011
– 31.09.2011

Vertretung der Professur für Slawische Literaturen und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz

seit 1.5.2009

Juniorprofessorin für Slawische Literaturen und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz

1.4.2009 – 31.4.2009

Akademische Mitarbeiterin: Vertretung der Juniorprofessur für Slawische Literaturen und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz

1.5. 2004
– 31.3.2009

Wissenschaftliche Assistentin in Slawistischer  Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt

1.4. 2001
–31.1. 2004

Wissenschaftliche Angestellte am DFG- Projekt Das System der Intermedialität in der russischen Moderne, Institut für Slawische Philologie an der LMU in München

1.1. 1993
– 1.6.1996 

Forscherin am slowenisch-österreichischen Drittmittelprojekt Vom Werden des Kulturraumes zwischen Alpen, Pannonien und Adria, Institut für Kunstgeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana

5. Freiberufliche Tätigkeit

5.1.

Mitwirkung an der Konzeption und Organisation von  Ausstellungen

5.1.1.

Wanderausstellung Genossen unter Glasur. Keramikobjekte aus der DDR, ČSSR und Jugoslawien, 25.8.2011 – Dezember 2011, in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsbüro Culture and more in Berlin und dem Porzellanmuseum in Mitterteich und Cheb

5.1.2.

Ausstellung Piktogramme – Die Einsamkeit der Zeichen,  4.11.2006 – 25.2.2007, Kunstmuseum Stuttgart

5.1.3.

Ausstellung Gotik in Slowenien, 1.6. – 1.10.1995,  Nationalgalerie in Ljubljana

5.2.

Übersetzungstätigkeit als Mitglied des Verbandes  wissenschaftlicher und technischer Übersetzer Sloweniens
(seit 1996, aus dem Slowenischen ins Deutsche für
Kunstverlage, Museen, Forschungsinstitute)

Forschung

Forschungsprojekte

Laufende Projekte

Forschungsprojekt Transformation der Kunstsysteme nach den politischen Wenden 1945 und 1989-91: Ost- und Südosteuropa im Vergleich
Zeitraum: 01.01. 2016 – 31.12.2018
In Kooperation mit Prof. Dr. Jožef Muhovič (Universität Ljubljana)
Förderung durch den DAAD (Programm „Ostpartnerschaft“)

Abgeschlossene Projekte

Forschungsprojekt Mediale Konstruktionen der „Brüderlichkeit und
Einheit
in
der Tschechoslowakei und in Jugoslawien
Laufzeit: 3 Jahre (Sept. 2010 – Aug. 2013; verlängert bis Dez. 2013),
Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des
Landes Baden-Württemberg, Programm „Zukunftsoffensive IV -
Innovation und Exzellenz“

Kulturwissenschaftliches Netzwerks für Südosteuropa-Studien,
Dachthema Medien und Memoria

Laufzeit: 3 Jahre (Jan. 2010 – Dez. 2012)
Workshops und Sommerschulen für Lehrende und fortgeschrittene
Studierende (PhD, MA) in Südosteuropa, Stipendien für Lehrende und
Studierende
Förderung durch den DAAD, Programm „Akademischer Neuaufbau
Südosteuropa“ („Stablitätspakt“)

Sommerschule Culture – Contact and Conflict in Southeast Europe (mit
einer Exkusion nach Südserbien),
22. – 29. Juli 2012, Universität Belgrad

Internationaler Workshop, Europe and the Balkans, 8. – 13. Mai 2012,
Supetar auf der Insel Brač

Internationaler Workshop, Distinction and Unification, Regional and
Supraregional
Memories
.
26. – 28. Mai 2011, Universität Novi Sad

Internationaler Workshop, Media and Memoria in South-Eastern
Europe.Transnational
Memories, National Memories, Memories in Conflict.

19. – 22. Mai 2010, Moderna galerija in Ljubljana

Tagungen und Workshops

1.     Internationale Tagung Geschichte und Mythos in Comics und Graphic                   Novels, 27. – 30. April 2016, Universität Leipzig
        organisiert zusammen mit Dr. Kerstin Borchhardt
        Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung, Flyer -hier-Tagungsbericht FAZ -hier-
2.     Workshop „Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen“:
        Jugoslawische Gastarbeiter in der Schweiz, 14. November 2014,
        Universität Basel organisiert zusammen mit Dr. Ljiljana Reinkowski
        Förderung durch die akademische Gesellschaft der Universität Basel

3.     Symposium Exzesse des Erinnerns (Schwerpunkt: Rumänien),
        16. November 2013, Studiobühne Stadttheater
        organisiert in Kooperation mit dem Stadttheater Konstanz

4.     Internationale Tagung Ethos und Pathos der Medien. Wirkungsästhetische
        Strategien zwischen Rhetorik und Politik im 20. Jahrhundert,
11. – 13.
        Oktober 2012, Universität Konstanz
        organisiert zusammen mit Prof. Dr. Riccardo Nicolosi
        Förderung durch den Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von
        Integration“

5.    Internationaler Workshop, Strategien – Konstruktionen – Visionen der
       Einheit. Die Idee des
Slawentums in Mittel-, Ost- und Südosteuropa im 20.
       Jahrhundert,
1. – 2. Dezember 2011, HU Berlin
       organisiert zusammen mit PD Dr. Tomáš Glanc
       Förderung durch den Schroubek Fonds

6.    Internationaler Workshop Die Spuren des Imperialen - nicht-diskursive und
       diskursive Zeichen und Mediengrenzen im
Stalinismus in Mittel- und
       Osteuropa, 16. – 19. April 2008, Universität Erfurt
       organisiert gemeinsam mit Dr. habil. Natascha Drubek-Meyer, Prof. Dr.
       Claudia Kraft und Prof. Dr. Holt Meyer
       Förderung durch die DFG

7.    Internationale Konferenz Die Sakralität des Bildes in Ost und West –
       Beglaubigungen
in Zweitmedien, 26. – 29. April 2007
       organisiert zusammen mit Prof. Dr. Holt Meyer
       Förderung durch die DFG

Lehrangebot

Vorlesung
Dienstag  17 Uhr  WMH 5/15
3./4./5. Semester Bachelorstudiengang
Aufbaumodul II - 03-KUG-1202 - Epochen und Regionen
2. Semester Masterstudiengang
Modul Perspektiven kunsthistorischer Forschung: Epochen und Regionen / Form und Ikonogra-phie - 03-KUG-1503 -  Gruppe A
Visuelle Kultur im Kommunismus: Die Sowjetunion, die DDR und Jugoslawien im Transfer

Seminar
Mittwoch  9 Uhr  WMH 5/14
4./5. Semester
Aufbaumodul III - 03-KUG-1205 - Kulturgeschichte
Ästhetik der Misere – vom Realismus bis zur Gegenwart

Seminar
Donnerstag  9 Uhr  WMH 5/14
4./5. Semester Bachelorstudiengang
Aufbaumodul IV - 03-KUG-1206 - Theorie, Fachgeschichte und Methoden
Gruppe A
Kunstgeschichte und spatial studies: Landschaften und Un-Orte, multimedial

Forschungskolloquium
Termine nach Vereinbarung, WMH 5/14
3. Semester Masterstudiengang,  Modul 03-KUG-0501

Publikationen


Vorträge

2016

25.05.2016: Konsum- und Genusskultur im Sozialismus: Jugoslawien und die DDR, Vortrag im Rahmen des DAAD-Projekts „Transformation der Kunstsysteme nach den politischen Wenden 1945 und 1989-91: Ost- und Südosteuropa im Vergleich“ (Programm „Ostpartnerschaft“), ZRC an der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SAZU), Ljubljana

20.05.2016: „Das neunte Land". Touristische Fotoreportage aus dem Ersten und Zweiten Jugoslawien, Tagung Bildgeschichten. Von den Anfängen der Fotoreportage, Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK), Wien

30.04.2016: Sarajevo: Geschichte als Mythos, Internationale Tagung Geschichte und Mythos in Comics und Graphic Novels, Institut für Kunstgeschichte, Universität Leipzi

25.02.2016: Der jugoslawische Tourismus im Kalten Krieg: Mediation zwischen Ost und West, Tagung Tourismuswelten. Translokale Perspektiven auf die Tourismusgeschichte (1945-1990), Greifswald, Alfried Krupp Wissenschaftskolleg

29.01.2016: Die Projektionen blicken zurück: Der „Balkan“ und der „Osten“ im Umschlag vom historischen Fremdbild zu den aktuellen Hyperidentifikationen, Ringvorlesung Global Art History, Institut für Geschichte und Theorie der Kunst, Katholische Privat-Universität Linz

13.01.2016: Comic und Bildmystik: Vergangenheitsbewältigung traumatischer Geschichte in Osteuropa, Vortragsreihe Aktuelle Forschung zur Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, GWZO, Leipzig

2015

12.12.2015: An early Home Story of Power: The Yugoslav Leader Josip Broz Tito in Press Photography from the 1940s to the 1980s, Tagung Photography in Socialist Societies: Picturing Power, Universität Bremen in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Osteurop

27.11.2015: Archaismus statt Orientalismus? Alternative "balkanische" Identitätsmodelle im 20. und 21. Jahrhundert, Workshop der Graduiertenschule Rethinking Orientalism, LMU München

04./06.09.2015: Revolutionen des Mythos – Mythen der Revolutionen. Transformationsprozesse zwischen Mythos und Geschichte. Marvels Mighty Thor und Anderssons/Sjunessons Bosnian Flat Dog, 10. Wissenschaftstagung der Gesellschaft für Commicforschung (ComFor) Geschichte im Comic – Geschichte des Comics, Goethe-Universität Frankfurt (zusammen mit Kerstin Borchhardt)

02.08.2014: Materializing Imagined Traditions: Spatial Politics in the Post-Socialist Countries of Former Yugoslavia, Workshop Visiting Contested Cities: Urban Planning, Tourism and the Politics of Heritage, UNESCO World Heritage Research Group, Leibniz Institute of European History Mainz, legacy Hotel Jerusalem

05.06.2014: Familiarity with the People: Photography as a Means of Constructing the Dictator’s Proximity in Yugoslav Socialism, Second Balkan Visual Meeting/SIBA Annual Workshop 2015, Universität Basel, Seminar für Nahoststudien

04.03.2015: Das DDR-Reservat und der sozialistische „Primitivismus“, Workshop Inseln und Insularitäten: Ästhetisierungen von Heterochronie und Chronotopie seit 1960, Universität Erfurt

2014

29.11.2014: Das Theater des Absurden: Susan Sontag in Sarajevo, Symposium Radikales Denken. Zur Aktualität Susan Sontags. Internationales Symposium, Werkraum Kammerspiele. In Zusammenarbeit mit dem Department für Anglistik und Amerikanistik der LMU, dem Bayerischen Rundfunk und dem Kulturreferat der Stadt München

14.11.2014: Nomadismus versus Sesshaftigkeit. Gastarbeiter und die Figuration der Heimat in Veljko Bulajićs Film Der Zug ohne Fahrplan (1959), Workshop „Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen“: Jugoslawische Gastarbeiter, Universität Basel

8.11.2014: Begegnungen von Ost und West: Figurationen von Verbindung und Trennung entlang des Donaustromes vom 19. Jahrhundert bis in die postsozialistische Zeit, Tagung DonauGrenzen in Literatur und Film, Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Schloss Hohentübingen, Tübingen

16.10.2014: Comics im Aufstand: Der Holocaust in Joe Kuberts Yossel. April 19, 1943, Deutsch-polnische Tagung Comic in Polen, Polen im Comic, Universität Mainz/Germersheim

03.07.2014: The culture of migrant workers: Between home and host land, Conference Visual culture of the Balkans: State of research and further directions, University of Belgrade

21.03.2014: Literarische Erblindung: Defiguration und der Entzug des Bildes angesichts des Todes in der russischen Literatur des Realismus, Workshop Literatur und Bildlichkeit, Universität Fribourg/Schloss Münchenwiler

Veranstaltungen - Archiv

WS 2015/16

– Mythos und Geschichte in Comics und Graphic Novels (mit einer begleitenden Ausstellung in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig und der Präsentation auf der Leipziger Buchmesse)

 Obwohl Comics ein realitätsfernes Genre sind und für das Imaginäre sowie für Allmachtsphantasien freien Raum lassen, nehmen sie seit ihrer Entstehung stets am historischen Geschehen teil. In den USA wurden sie seit den 1930er Jahren, vor allem in Kriegszeiten, zu Propagandazwecken eingesetzt. Ihre Funktion war es, dem Feind die stereotype Gestalt des Bösen zu verleihen, die Kampfmoral in den eigenen Reihen zu stärken und die des Gegners zu schwächen. Vor allem Superhelden stellten ihre übermenschlichen Kräfte stets in den Dienst der amerikanischen Ideologie, der Ordnung und Moral: Der Superman hat als eine feste Serienfigur eine lange Entwicklung durch verschiedene Stadien der amerikanischen Geschichte durchgemacht, in denen sich die politische Umorientierung Amerikas vom Spanienkrieg über den Zweiten Weltkrieg und den Vietnamkrieg bis hin zum 11. September 2001 widerspiegelt.

         Unter ähnlichen Umständen, nur mit einem anderen politischen Vorzeichen begann die Produktion von Comics und Comic-ähnlichen Genres (politische Karikatur, Avantgarde-Bücher, Lubok, ROSTA-Plakate) in der revolutionären Sowjetunion. Anders als in den USA wurde die Entwicklung durch den Kanon des sozialistischen Realismus, der die Satire und das Komische verpönte, abgebrochen. Nach 1989 erlebt das Comic-Genre erenuet eine Renaissance.

         Im der Projeketarbeit wird das Verhältnis von Mythos und Geschichte in Comics und in Graphic Novels in den letzten Jahrzehnten in den USA und Osteuropa untersucht. Im Vordergrund steht die Frage, wie das Mythische ins Historische und das Historische ins Mythische transformiert wird. Aus einer bildwissenschaftlich-kunsthistorischen Perspektive werden die Verfahren der Comics bzw. der Graphic Novels bei der Auseinandersetzung mit der Geschichts- und Erinnerungspolitik erforscht und durch Beispiele dokumentiert. Geplant sind ein Workshop, eine kleine Ausstellung sowie Präsentation der Ergebnisse auf der Leipziger Buchmesse.

– Avantgarde, Neo- und Retro-Avantgarde

 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben die historischen Avantgarden die traditionellen Genres revolutioniert. Die Grenzen zwischen unterschiedlichen Kunstformen wurden dabei aufgehoben. Schließlich suchte man nach einer utopischen Dimension der Kunst, die eine neue Gesellschaft herbeiführen sollte. Eine ent-automatisierte, aktiv verfremdete Art der Wahrnehmung sollte von der kanonischen Tradition sowie von Konvention des Sehens und der Darstellung befreien. Durch Neuansätze am Ursprung der Kunst – bei elementaren Formen, Farben und ihrer neuartigen Zusammensetzung (Collage, Montage) sollten schöpferische, prokreative Prozesse in Gang gesetzt werden, die eine beständige Erneuerung künstlerischer Sprachen auslösen würden. In den 1930er Jahren gingen die Avantgarde-Utopien teilweise in verschiedenen totalitären Staaten auf und endeten entweder in der Fabrik, auf dem Kriegsschauplatz oder im Lager.

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterzogen Neo-Avantgarden wie der Minimalismus, die Arte povera und verschiedene Konzeptualismen die Avantgarde einer Revison. Oftmals ließen sie die radikalen Ansprüche und die Monumentalität in einer kritischen Auseinandersetzung implodieren. Künstler wie Ad Reinhardt, Frank Stella, Richard Serra, Robert Ryman und Tony Smith befreiten ihre monochromen Bilder von der metaphysisch-utopischen Dimension der Avantgarde („art ist art. Everything else is everything else“ oder „what you see is what you get“). Dan Flavin parodierte in seinen Neonröhren-Installationen Tatlins Denkmal der III. Internationale, die Konzeptualisten in West und Ost (Moskauer Konzeptualisten) ironisierten die totalitäre Dimension des avantgardistischen Aktionismus und der kollektiven Partizipation.

Seit den 1980er Jahren bis in die Gegenwart schließen unterschiedliche retro-avantgardistische Künstlerkollektive wie die Neue Slowenische Kunst (NSK), Was tun? (Čto delat?) oder Jewish Renaissance Movement in Polend (JRMiP) erneut an die Pathosformeln der Avantgarde und der totalitären Kunstsystem der 1930er Jahre an. Die unterschiedlichen Reanimierungen des avantgardistischen Pathos bringen keine neuen Utopien hervor, sondern unterstreichen noch einmal das wiederholtes Scheitern und die Unglaubwürdigkeit eines progressiven, fortschrittsorientierten Geschichtsbildes.

 In der Veranstaltung werden die „Ikonen“ des 20 und 21. Jahrhunderts in Ost und West analysiert, ihre Strategien vorgestellt und die wichtigsten Manifeste und theoretischen Texte besprochen.

– Einführung in die Bildkünste

In der Vorlesung werden Grundfragen der Kunstgeschichte gegeben. Am Anfang stehen Probleme der Form wie der Stilbegriff in seiner historischen Entfaltung sowie die Geschichte der Epochenbegriffe und die Epochen vom frühen Christentum bis zur Postmoderne im 20. und 21. Jahrhundert. Es folgen Aspekte der Inhaltsanalyse (Motiv, Bildnarrativ) sowie der Ikonographie (pagane, christliche, politische etc.). Zeichensysteme (icon, index, symbol) und Medien bzw. Techniken (Gemälde, Skulptur, Buchkunst, Graphik, ostkirchliche Ikone, Video, Film, digitale Kunst, etc.) werden vorgestellt, bevor anhand von bekanntesten Malern und ihren Hauptwerken Gattungen der Kunst (wie Stillleben, Landschaft, Porträt, Genre- und Historienmalerei) und deren zeitweilig etablierte Hierarchie exemplarisch präsentiert werden. Zudem wird ein Einblick in die Terminologie sowie die wichtigsten Methoden der Kunstgeschichte (Rezeptionsästhetik, visual studies, Bildwissenschaft, etc.) im Dialog mit der Nachbardisziplinen (Kultur-, Literatur-, Medienwissenschaft) gegeben.

SS 2015

 – Orientalismus in Ost- und Südosteuropa (mit komparatistischer Perspektive auf den Westen)

 In seiner grundlegenden postkolonialen Studie Orientalism (1978) hat Edward Said den eurozentrischen Blick des „aufgeklärten Westens“ rekonstruiert, der den „Orient“ in Opposition zum Abendland als einen Ort des blutrünstigen Despotismus, der versklavten Frauen und des Mysteriös-Irrationalen imaginiert. Als Teil des diskursiven Machtsystems trat der Orientalismus in Literatur und Kunst in den Dienst der kolonialen Eroberungen und legitimierte die Zivilisierungsmission der imperialen Mächte wie Frankreich und Großbritannien. In Russland, das im Blick des Westens selbst zu l'orient de l'Europe transformiert wurde, erfuhr der Orientalismus eine ambivalente Ausprägung. Einerseits begleitete er nach den westlichen Vorbildern die imperiale Expansion Russlands in den Kaukasus, auf die Krim und auf den Balkan, andererseits wurde er zu einer Form der antiwestlichen Identitätskonstitution. Auch die christlichen Völker auf dem Balkan wurden einer ambiguen Optik ausgesetzt: Während des Philhellenismus wurden sie als Opfer des orientalischen Despotismus angesehen, nach der Erringung der Eigenstaatlichkeit und den Balkankriegen wurden sie selbst zum balkanischen Orient stilisiert. In der Veranstaltung werden mehrere Ausprägungen der osteuropäischen Orientalismen (Russland, Polen, der Balkan) in der bildenden Kunst von der Romantik bis zum Symbolismus (Karl Brjullov, Vassilij Vereščagin, Michail Vrubel‘), im Tanz (Sergej Djagilevs Ballets Russe), in der Fotografie (illustrierte Reiseberichte) und im Film (Vsevolod Pudovkin, Dziga Vertov, Abram Room, Aleksej Balabanov) vorgestellt. Der Orientalismus wird in seinen Konstanten sowie im Wandel vom frühen 19. Jahrhundert bis hin zu den Tschetschenien-Kriegen (1994-96, 1999-2009) verfolgt. Schließlich werden auch die Strategien seiner Demontage im Anti-Kriegsfilm (Sergej Bodrov) sowie in einem feministischen Orientalismus (Ulrike Ottinger) erforscht, in dem die patriarchalen Muster verkehrt werden.

 – Schatten- und Spiegelbilder: Vom Mythos bis zur Psychoanalyse

 Die Fixierung von Schatten- und Spiegelbildern gehört zu den Prototypen der Bildherstellung, die der Sehnsucht nach dem Abwesenden und dem Wunsch seiner Anwesenheit entspringt. Die Silhouette des geliebten Butades, von dem Mädchen Kora an die Wand gezeichnet und der Wunsch des in Liebe entbrannten Narziss, sich mit seiner Spiegelung im Wasser zu vereinen sind nicht nur Liebeserklärungen an Bilder als Substitute des Realen. Darüber hinaus laden derartige Legenden aus den mythischen Anfängen der Malerei zur metapoetischen Reflexion über die Macht und Ohnmacht der Kunst ein. In physiognomisch interpretierten Schattenrissen im 18. und 19. Jahrhundert verrät der Schatten das Innenleben des Dargestellten, im Stummfilm zeigt sich in Deformationen die verborgene Persönlichkeit. Doppelt belichtete fotografischen und filmische Bildern verschaffen Verstorbenen und Untoten Eingang in die Welt. Der Spiegel dient nicht nur als Metapher für das illusionistische Porträt, sondern auch als Werkzeug der Identitätsstiftung (primärer Narzissmus im „Spiegelstadium“  nach Lacan), in dem sich auch psychische Abweichungen und Anomalitäten manifestieren (z.B. Doppelgänger als Identitätsspaltung). In der Veranstaltung werden Schatten- und Spiegelbilder als Medien der medialen Reflexion (Illusionismus, Indexikalität, Original und Kopie, Wirkungsmacht) exemplarisch an verschiedenen Kunstformen (Gemälde, Schattenriss, Silhouette, Fotografie und Film) von der Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert analysiert. Zugleich wird die methodische Herangehensweise an das jeweilige Medium erläutert.

 – Tod: Bildlöschung und Bilderzeugung

 Der Tod bringt das ewige Schweigen und die Auslöschung von Bildern mit sich. Diesem Verlust versucht man mit Bild und Wort entgegenzuwirken, um die gewalttätige Natur des Todes zu zähmen. Gerade dem Widerspruch zwischen der Leere des Todes und dem Malen/Reden gegen den Tod entspringt die besondere Lebendigkeit von Totenbildern und -texten. Bildlöschung wird von einer gleichzeitigen annullierenden Geste der Bilderzeugung begleitet, die durch die Fähigkeit zur Vergegenwärtigung, die enargeia des Bildes, dem Tod entgegenwirkt, ihn mit den Phantasmen der Unsterblichkeit und der Memoria umwebt (z.B. in „schönen Leichen“ der post mortem-Fotografie). Die Lebendigkeit des Bildes/Texes manifestiert sich paradoxerweise gerade in den Darstellungen und Beschreibungen des sterbenden Körpers. Um sich dem geheimen Übergang von der Welt der Lebenden zu der der Toten anzunähern, werden oft indirekte (Anamorphose, Mimikry, Verhüllung, Aufhellung, Verdunkelung) oder indexikalisch operierende Bilder (Vanitas-Motive, Überreste der Toten) eingesetzt, die sich der Verfahren der Defiguration bedienen.

In der Veranstaltung werden exemplarische Werke aus verschiedenen Epochen und ihre Bild/Wort-Verfahren analysiert – von den barocken Vanitas-Stillleben bis hin zu Damian Hirsts Kadaver- und Fly-paintings, von den Darstellung des toten Christus (Hans Holbein d.J., dessen Ekphrasis bei Dostoevskij) bis hin zu traumatischen Bildern des Holocaust (Christian Boltanski), von den Grabdenkmälern bis hin zur Selbstinszenierung der Künstler als Sterbende bzw. Tote (Kazimir Malevič, Roman Opalka). Dabei werden kulturanthropologische (Jan Assmann, Vladimir Jankélévitch, Thomas Macho) und bildwissenschaftliche Texte (Hans Belting, Wolfgang Kemp) über den Tod analysiert.

 – Kolloquium

Vortragsreihe "Osteuropäische Kunst & visuelle Kultur"
-hier-

 WS 2014-15

 – Die Ikone – Medium der Offenbarung

 In der orthodoxen Bildtheologie werden Ikonen nicht nur als Abbilder der Heiligen, sondern vielmehr als ihre „Erscheinung“ im Bild aufgefasst. Die Ikone avanciert somit zum Medium der göttlichen Offenbarung und Realpräsenz, das im engsten Kontakt mit der sakralen Sphäre steht. In der Vorlesung werden die Anfänge der Ikonenmalerei als Mumienbilder, ihre Weiterentwicklung in berühmten Ikonenschulen, ihre Rolle im Streit zwischen Ikonodulen und Ikonoklasten bis hin zu ihrer Konfrontation mit der Porträtmalerei und ihrer Rezeption in der Avantgarde (Malevičs „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“) verfolgt. Vorgestellt werden die Technik der Ikonenmalerei, die Ausprägung der wichtigsten ikonographischen Typen sowie ihr Aufbau im Kirchenraum und ihre Rolle im orthodoxen Ritus. Anders als das abendländische Bild, das sich seit der Renaissance als autonomes Kunstwerk von seiner kultischen Funktion befreite, blieb die Ikone an Kult und religiöse Funktion gebunden. Im Westen erhielt sie gerade deswegen oft den Status eines wundertätigen Bildes. Auch der Ikonenkünstler erreichte nie den Status eines autonomen Schöpfers, sondern blieb der asketischen Tradition des Maler-Mönchs, des Mediators des Göttlichen verpflichtet. Schließlich werden in der Veranstaltung auch einige russische Filme vorgestellt, in denen Ikonen und Ikonenmaler als Inbegriff des Glaubens thematisiert werden, wie etwa Andrej Tarkovskijs Andrej Rublëv.

 – „Pathosformeln“, „Schlag-“ und „Schlüsselbilder“: Leiden und Ekstase in der bildenden Kunst und in den Massenmedien

 In der rhetorischen Affektlehre beschreibt das Pathos die Verfahren, mit denen erschütternde Emotionen, wie Rührung, Furcht oder Entsetzen beim Leser/Betrachter hervorgerufen werden. Der Hamburger Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg prägte den Begriff der „Pathosformel“, mit der er energetische und zugleich zur Schablone erstarrte Bildzitate bezeichnete, die – oft losgelöst von ihrer ursprünglicher Bedeutung – über Jahrhunderte tradiert wurden. Während Warburg das Phänomen vorwiegend anhand der Renaissancemalerei erforschte, die antike Vorbilder wiederbelebte, wurde das Konzept der Pathosformel von Kunsthistorikern und Medienwissenschaftlern wie Michael Diers und Peter Ludes auch in den Massenmedien wie der Pressephotographie und dem Fernsehen weiter verfolgt und medial aktualisiert. Sie gaben solchen Bildern den Namen „Schlag-“ oder „Schlüsselbilder“. Im Seminar werden die verschiedenen Konzepte vorgestellt und anhand von sensationellen Bildern aus Politik, Kriegspropaganda und Werbung analysiert.

 – Kommunistische Alchemie: Die Erschaffung des Neuen Menschen von der Avantgarde bis zur frühen Stalinzeit

 Als Iosif Džugašvili den Kampfnamen Stalin annahm, vollzog er damit eine symbolische Verwandlung des schwachen menschlichen Fleisches in den harten Stahl (russ. stal‘ = Stahl). Künstler wie Tatlin, Lissitzky, Klucis und Rodčenko sowie Filmmacher der Avantgarde wie Eisenstein, Vertov, Kulešov und Pudovkin versuchten, durch verschiedene Techniken der Montage und durch extreme perspektivische Blickwinkel den „neuen“ Menschen mit der Maschine zu verschmelzen. Sein Blut wurde zu Eisenglut, seine Augen durch die Kamera ersetzt und sein Bewusstsein durch die Radiostimme gesteuert. Er sollte nicht nur Monumentalarchitektur und -denkmäler errichten, sondern auch selbst zum Baustein im Gebäude des Kommunismus werden. Sport, Biomechanik und rhythmische Arbeitsabläufe sollten die Bewegung des disziplinierten kommunistischen „Übermenschen“ im Kollektiv koordinieren und in ein politisches Ritual überführen. Im Seminar werden die wichtigsten Bildwerke, Filme und architektonischen Entwürfe der Avantgarde und des frühen Stalinismus analysiert sowie sowjetische biopolitische Utopien vorgestellt, die von der Bluttransfusion, Reflexiologie und Eugenik bis hin zu kosmonautischen Projekten reichten.

 – Die Suche nach dem Ursprung: Die Kunst der „Primitiven“ und das „neue Sehen“ der Avantgarden

 Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden das mimetische Wirklichkeitsmodell des Realismus und damit verbunden ein von der empirischen Wissenschaft geprägtes Weltbild als rationalistische Reduktion verworfen. Die Psychologie des Realismus wurde in Literatur und Kunst verschiedener Avantgarden durch Pathologie, elementare Empfindungen und Triebe abgelöst. Durch den Verzicht auf die Errungenschaften der Zivilisation und Sehgewohnheiten sollte ein „neues Sehen“ zur elementarsten Gesetzmäßigkeit der Künste führen. Künstler wie Gaugin, Picasso, die Gruppe „Der Blaue Reiter“, die russischen Futuristen und die Surrealisten begeisterten sich für die Kunst der „Primitiven“ in Afrika und Ozeanien, der Kinder, der Autodidakten und der Geisteskranken. Zugleich richtete sich ihr Interesse auch auf das „Primitive“ der eigenen Kultur, wie die Volkskunst (Volksbilderbogen, Hinterglasmalerei). Den unterschiedlichen „Ursprüngen“ der Kunst war der Rückgriff auf den Mythos und das magisch-analogische Denken gemeinsam, wodurch kausal-empirische Zusammenhänge abgebaut und binäre Oppositionen von Subjekt und Objekt, Zeichen und Realia aufgehoben wurden. Die dreidimensionale, zentralperspektivische Optik wurde durch Aperspektivik, das Zeit-Raum-Kontinuum durch ornamentale Strukturen abgelöst, Kunstobjekte wurden verfremdet und verdinglicht. Kunsttheoretiker und -philosophen wie Aby Warburg, Ernst Cassirer, Carl Einstein und Vladimir Markov wurden stark von ethnologischen Schriften beeinflusst und lenkten die Kunsttheorie in die Richtung der Kulturwissenschaften. Im Seminar werden die wichtigsten Konzepte des „Primitivismus“ anhand von theoretischen Schriften und ausgewählten Kunstbeispielen aus der bildenden Kunst vorgestellt. Zudem werden auch einige relevante filmische Beispiele (Eisensteins Oktober und ¡Que viva México!, Alain Resnais‘/Chris Markers Les statues meurent aussi) in die Analysen herangezogen.

betreute Studienabschlussarbeiten und Dissertationen

Masterarbeiten:

Graß, Marina
Das russische Künstlerkollektiv "Chto Delat?" (Was tun?) - Suche nach einem alternativen Gesellschaftsmodell
2016


letzte Änderung: 17.05.2016 

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In der vorlesungsfreien Zeit siehe Aktuelles
und nach Vereinbarung.