Institut für  Kunstgeschichte  

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Dr. Tanja Zimmermann:
Forschungsprojekt Transformation der Kunstsysteme nach den politischen Wenden 1945 und 1989-91: Ost- und Südosteuropa im Vergleich

Zeitraum: 01.01. 2016 – 31.12.2018
In Kooperation mit Prof. Dr. Jožef Muhovič (Universität Ljubljana)
Förderung durch den DAAD (Programm „Ostpartnerschaft“)

Kooperationsprojekt von Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg (TU Dresden) und Prof. Dr. Frank Zöllner (Universität Leipzig)
"Westkunst/Ostkunst. Kunstsystem und Geltungskünste"

im geteilten und wiedervereinigten Deutschland zwischen 1945 und 2000
SMWK-Forschungsprojekt, gemeinsam mit der TU Dresden
MitarbeiterInnen: 
Dr. Paul Kaiser (TU Dresden)
Dr. Susanne König (Universität Leipzig)
Claudia Petzold-Kaiser
(TU Dresden)
PD Dr. Manuela Vergoossen (TU Dresden)

Das Projekt „Westkunst/Ostkunst“ erforscht die Kunstentwicklungen in der SBZ/DDR und der BRD sowie im wiedervereinigten Deutschland bis 2000. Das Augenmerk gilt erstens den gegenläufigen Entwicklungen und Antagonismen, zweitens den zahlreichen Kontakten und Interdependenzen und schließlich drittens dem Umbau des Kunstsystems in Ostdeutschland nach dem Mauerfall. Mit dem Forschungsprojekt werden die Grundlagen gelegt, die beiden Kunstgeschichten und Kunstsysteme des geteilten Nachkriegsdeutschlands erstmals in den synthetisierenden Rahmen einer gemeinsamen Kunst‑ und Kulturgeschichte zu stellen.
Ferner vergleicht das Projekt die Kunstsysteme in Ost- und Westdeutschland im Kontext der politischen Systeme sowie der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen.
     Als Ausgangshypothese dient die Annahme, dass sich in den beiden deutschen „Frontstaaten“ während des Kalten Krieges zwei entgegengesetzte „Geltungskünste“ entwickelt haben. Zwar bestanden nach dem Ende des Nationalsozialismus trotz dieser Geltungskünste heterogene künstlerische Praktiken in West- und Ostdeutschland und so gab es bis zum Ende der deutschen Teilung auch in der DDR etwa „abstrakte“ Maler. Doch Geltungskünste sind hingegen jene Künste, die durch staatliche Vorschriften wie in der DDR oder durch ihre Heraushebung in einem marktvermittelten Kunstsystem (Museen, Galerien, Kunstkritik, Akademie-Ausbildung) wie in der BRD eine besondere Schätzung und öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Das war am Anfang die dichotome Zuordnung von Abstraktion als „Weltsprache“ auf der einen und Sozialistischem Realismus auf der anderen Seite. Später entwickelten sich ebenfalls entgegengesetzte künstlerische Praktiken, die sogenannten westlichen „Freiheitskünste“ auf der einen und diverse sich wandelnde Formen figurativer Kunst auf der anderen Seite. Ein Nachklang findet sich bis heute im deutsch-deutschen Bilderstreit und in zahlreichen neueren Forschungen, die teilweise immer noch den politisch-kulturellen Entgegensetzungen der Zeit vor 1990 folgen.

     Für das Gesamtprojekt zentral ist die Annahme, dass die Geltungskünste in Ost- und Westdeutschland trotz ihrer gegensätzlichen Ausrichtung in ihren wesentlichen künstlerischen Praktiken und Leitbildern aufeinander bezogen und miteinander verflochten waren. Deshalb wird es nicht zuletzt um unterschwellige Beziehungen zwischen den Künstlerinnen und Künstlern und überhaupt den Künsten im geteilten Deutschland und im geteilten Europa gehen müssen.


letzte Änderung: 03.02.2017