Institut für Indologie und Zentralasien- wissenschaften  

Neuzeitliches Südasien

Indien hat sich seit Anfang der 90er Jahre in der westlichen Wahrnehmung von einem armen Drittweltland zu einem wirtschaftlich prosperierenden „Giganten“ entwickelt – einer aufstrebenden Weltmacht, die die Zukunft des Planeten in wesentlichen Punkten mitbestimmen wird. In unserem kultur- und geisteswissenschaftlich geprägten Studienschwerpunkt Neuzeitliches Indien möchten wir ein Bewusstsein für die komplexen Voraussetzungen der kulturellen und sozialen Entwicklungen in der Region schaffen und das Hintergrundwissen vermitteln, das nötig ist, um das „Phänomen“ Indien in seinen Grundzügen zu verstehen: Wie kann es sein, dass der boomenden IT-Branche eine Analphabetenrate von fast 40 % gegenübersteht? Warum scheinen Bollywoodfilme immer dieselbe Geschichte zu erzählen? Warum wird für junge Mädchen in Indien häufig noch von ihren Eltern die Ehe arrangiert, obwohl das Land mit Indira Gandhi bereits 1966 ein weibliches Staatsoberhaupt hatte? Warum gibt es die Sprache „Indisch“ nicht? Was hat es mit den heiligen Kühen auf sich?  Sind alle Inder Vegetarier? Wie 'indisch' ist der Yoga, der heute allerorts gelehrt wird?

Die Basis des Studiums bildet zunächst der Spracherwerb: Sprachkenntnisse öffnen uns die Tür in eine andere Welt – Wortschatz, Metaphern und Sprachstruktur bringen uns die Denkweise und Ideenwelt der Sprecher nahe und erlauben uns Einblicke in die „Seele“ eines Landes oder einer Region. So hat das Hindi – die moderne Sprache, die an unserem Institut gelehrt wird – z. B. kein Wort für „Torschlusspanik“, weil das Konzept im südasiatischen Kulturraum bislang vor dem Hintergrund arrangierter Ehen keine Rolle spielte. Umgekehrt ist es im Deutschen schwierig, mit einem einzigen Begriff das Hindiwort jūṭhā zu übersetzen –hier wird ausgedrückt, dass eine Speise oder andere Sache durch kontaminierende Berührung unrein bzw. unbrauchbar geworden ist und nicht mehr gegessen oder angefasst werden kann.  Man sollte also auf keinen Fall für indische Gäste kochen und das Gericht mit einem Löffel umrühren, den man abgeleckt hat!

Hindi wird in Indien von ca. 40 % der Bevölkerung gesprochen und insgesamt von mehr als 70 % verstanden. Es ist offizielle Amtssprache (neben Englisch) und in seiner heutigen Form eine der wichtigen Literatursprachen Indiens. So liegt auch der Schwerpunkt der Sprachausbildung an unserem Institut auf dem Studium von Literatur und Texten, wobei der Textbegriff weit gefasst ist: neben zeitgenössischer Belletristik kommen, je nach Thema, auch Comics, Filme oder Materialien aus aktuellen Zeitungen, Zeitschriften oder dem Internet zum Einsatz.

Im Rahmen der Bachelorausbildung wird das Sprachstudium zum einen durch Vorlesungen zu Kultur & Geschichte, Literatur und Religion ergänzt; zum anderen werden in den Fortgeschrittenen-Modulen spezielle Fragestellungen zu einzelnen Themen aus den genannten Bereichen behandelt, wie z.B. „Individuum und Gesellschaft im Spiegel der Literatur“ oder „Indischer Nationalismus.“ Im Masterstudium werden die Kenntnisse in diesen Bereichen vertieft und um den Aspekt der „Ideen- und Diskursgeschichte“ bzw. der Religionsgeschichte erweitert; hier besteht zudem die Möglichkeit, sich auf ein selbst gewähltes Thema zu spezialisieren. Es werden Lektüre-Module angeboten und solche, die aus einem seminaristischen und einem Lektüreteil bestehen. Zudem gibt es regelmäßig Konversations- und Essaystunden, damit die aktive Sprachkompetenz gefördert wird. Zusätzlich organisieren wir jedes Jahr für unsere Studenten und Studentinnen Hindi-Sprachkurse in Benares oder Allahabad, die in den Semesterferien stattfinden und als Praktika angerechnet werden können.

Ziel unserer Bachelorausbildung ist es einerseits, interkulturelle Kompetenz zu vermitteln; zum anderen sollen die Studierenden auf Basis des erlangten Sprach-, Fach- und Sachwissens die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens zu Themen des Neuzeitlichen Südasien lernen. Das aufbauende Masterstudium legt größeres Gewicht auf die eigenverantwortliche wissenschaftliche Betätigung auf den jeweiligen Gebieten.

Außerhalb des wissenschaftlichen Bereichs bietet die Qualifikation die Möglichkeit der Arbeit in Kultureinrichtungen wie Museen und Bibliotheken, in der Tourismusbranche, im journalistischen Bereich, im diplomatischen Dienst oder in Hilfsorganisationen und Nicht-Regierungsorganisationen. Seit Indiens Aufstieg zur Wirtschaftsmacht zeigen auch international tätige Firmen ein steigendes Interesse an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit interkulturellem Wissen.


letzte Änderung: 28.03.2012 

Kontakt

Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften
Schillerstraße 6
04109 Leipzig
GERMANY

Telefon: +49 341 97-37120
Telefax: +49 341 97-37148
E-Mail

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag  10:00-12:00 Uhr und 13:00-15:00 Uhr
Freitag 
10:00 - 12:00 Uhr

Informationen zum Studium