Institut für Indologie und Zentralasien- wissenschaften  

Neuzeitliches Südasien

Indien hat sich seit Anfang der 1990er Jahre in der westlichen Wahrnehmung von einem armen „Drittweltland“ zu einem wirtschaftlich prosperierenden „Giganten“ entwickelt – einer aufstrebenden Weltmacht, die die Zukunft des Planeten in wesentlichen Punkten mitbestimmen wird. Im Rahmen unseres kultur- und geisteswissenschaftlich geprägten Studienschwerpunkts Neuzeitliches Indien möchten wir bei Ihnen ein Bewusstsein für die komplexen Voraussetzungen der kulturellen und sozialen Entwicklungen in der Region schaffen und Ihnen das Hintergrundwissen vermitteln, das nötig ist, um das Phänomen Indien in seinen Grundzügen zu verstehen. Während viele religiöse Bräuche und traditionelle Konventionen im modernen Indien fortbestehen, gewinnen Aspekte wie Urbanität, familiärer Wandel und neue Arbeitsbedingen wie z.B. in der IT-Branche stark an Relevanz. Die Beschäftigung mit zeitgenössischer Literatur und modernen Medien wie Film, Fernsehen und virtuellen Räumen bietet spannende Ansatzpunkte, um sich solchen Fragen soziokulturellen Wandels anzunähern.

Die Basis des Studiums bildet zunächst der Spracherwerb: Sprachkenntnisse öffnen uns die Tür in eine andere Welt – Wortschatz, Metaphern und Sprachstruktur bringen uns die Denkweise und Ideenwelt der Menschen nahe und erlauben uns Einblicke in die „Seele“ eines Landes oder einer Region. So hat das Hindi – die moderne Sprache, die an unserem Institut gelehrt wird – z. B. kein Wort für „Torschlusspanik“, weil das Konzept im südasiatischen Kulturraum bislang vor dem Hintergrund arrangierter Ehen keine Rolle spielte. Umgekehrt ist es im Deutschen schwierig, mit einem einzigen Begriff das Hindiwort jūṭhā zu übersetzen – hier wird ausgedrückt, dass eine Speise oder andere Sache durch kontaminierende Berührung rituell unrein bzw. unbrauchbar geworden ist und nicht mehr gegessen oder angefasst werden darf.
 
Hindi wird in Indien von ca. 40 % der Bevölkerung gesprochen und insgesamt von mehr als 70 % verstanden. Es ist offizielle Amtssprache (neben Englisch) und in seiner heutigen Form eine der wichtigen Literatursprachen Indiens. So liegt auch der Schwerpunkt der Sprachausbildung an unserem Institut auf dem Studium von Literatur und Texten, wobei der Textbegriff weit gefasst ist: neben zeitgenössischer Belletristik kommen, je nach Thema, auch Comics, Filme oder Materialien aus aktuellen Zeitungen und Zeitschriften zum Einsatz. Damit Ihre aktive Sprachkompetenz nicht zu kurz kommt, gehören aber auch Konversationsstunden zu unserem Sprachstudium; außerdem lernen Sie bereits ab dem dritten Semester, eigenständig Essays auf Hindi zu schreiben. Zusätzlich organisieren wir jedes Jahr für unsere Studenten und Studentinnen Hindi-Sprachkurse in Benares oder Allahabad, die in den Semesterferien stattfinden und als Praktika angerechnet werden können.

Im Rahmen der Bachelorausbildung wird das Sprachstudium zum einen durch Vorlesungen zu Kultur & Geschichte, Literatur und Religion ergänzt; zum anderen behandeln wir in den Fortgeschrittenen-Modulen spezielle Fragestellungen zu einzelnen Themen aus den genannten Bereichen, wie z.B. „Individuum und Gesellschaft im Spiegel der Literatur“ , „Indischer Nationalismus“ oder „Liebe und Partnerschaft im modernen Indien“. In den Seminaren beschäftigen Sie sich auch mit Themen der aktuellen Forschung und erlernen einen kompetenten Umgang sowohl mit Primärquellen als auch mit wissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Im Masterstudium sollen Sie zunächst die Kenntnisse in diesen Bereichen vertiefen und erweitern. In den fortgeschrittenen Lektüre-Modulen lernen Sie den Umgang mit Hindiquellen; zudem gibt es – wie schon im BA – regelmäßige Konversations- und Essaystunden. Darüber hinaus werden Sie in Seminaren das selbständige Arbeiten im Bereich Forschung aber auch im praktischen Bereich lernen. Dies geschieht z.B. durch Projektarbeiten, in denen Sie sich eigenständig in Kleingruppen intensiv mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen, das Sie anschließend durch ein selbstgewählte Medium (z.B. Film, Audiobeitrag, Plakat) präsentieren, oder durch Werkstattmodule, in denen Sie üben, Ihre eigene Bachelor-Arbeit in einen wissenschaftlichen Artikel umzuarbeiten. Es besteht im Rahmen des Masterstudiums nun außerdem für Sie die Möglichkeit, sich auf ein von Ihnen selbst gewähltes Thema zu spezialisieren, das Sie sich im dritten Semester im Rahmen eines Praktikums (in Unternehmen, NGOs etc.), eines Forschungspraktikums (z.B. am Grassimuseum) oder eines eigenen Forschungsprojektes erarbeiten sollen.

Ziel unserer Bachelorausbildung ist es einerseits, Ihnen interkulturelle Kompetenz zu vermitteln; zum anderen sollen Sie auf Basis des erlangten Sprach-, Fach- und Sachwissens die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens zu Themen des Neuzeitlichen Südasiens lernen. Das aufbauende Masterstudium legt größeres Gewicht auf die eigenverantwortliche wissenschaftliche Betätigung auf den jeweiligen Gebieten.

Außerhalb des wissenschaftlichen Bereichs bietet die Qualifikation die Möglichkeit der Arbeit in Kultureinrichtungen wie Museen und Bibliotheken, in der Tourismusbranche, im journalistischen Bereich, im diplomatischen Dienst oder in Hilfsorganisationen und Nicht-Regierungsorganisationen. Seit Indiens Aufstieg zur Wirtschaftsmacht zeigen auch international tätige Firmen ein steigendes Interesse an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit interkulturellem bzw. regionalspezifischem Wissen.


letzte Änderung: 23.06.2017 

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