Historisches Seminar 

Historische Hilfswissenschaften

„Das Werkzeug des Historikers.“ Geflügelt sind mittlerweile die Worte, mit denen Ahasver von Brandt sein heute in der 18. Auflage vorliegendes Einführungswerk in die Historischen Grundwissenschaften überschreibt. Als „Werkzeug“, aber auch als eigener Forschungsgegenstand sind die Historischen Grundwissenschaften auch heute noch unverzichtbar für die Arbeit mit historischen Quellen und somit für die historische Forschung. Ihre Bandbreite reicht von der Paläographie, der Geschichte der Schrift, über die Diplomatik, die Lehre von den Urkunden hin zu Chronologie, der Wissenschaft von Zeitrechnung und Kalendern. Am Historischen Seminar der Universität Leipzig kann das Fach in seiner ganzen Breite studiert werden, entweder in einem deutschlandweit einzigartigen Bachelor-Wahlfach über sechs oder drei Semester oder in Form einzelner Module im freien Wahlbereich. Eine Einführung in die Historischen Grundwissenschaften ist für alle Studierende der Geschichte im Rahmen des Basismoduls II ohnehin Pflicht.

Eine weitere Besonderheit in Leipzig ist die Zusammenarbeit mit den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek, deren Bestand mittelalterlicher Handschriften nach München und Berlin zu den umfangreichsten in Deutschland gehört. Dazu gesellen sich eine umfangreiche Münzsammlung, Papyri, Urkunden und Siegel. Die Arbeit an Originalen ist somit integraler Bestandteil der Ausbildung in den Historischen Grundwissenschaften.

Auf diesen Seiten finden Sie eine Übersicht über die Möglichkeiten des Wahlfachs, vergangene Lehrveranstaltungen und ihre Ergebnisse wie die Ausstellung „Das kann doch kein Schwein lesen! – Schriften Europas im Mittelalter“, die im Rahmen eines Paläographie-Seminars mit Originalen der UB erarbeitet wurde.

Eine Seite mit Erläuterungen, weiterführender Literatur und Links zu den verschiedenen Historischen Grundwissenschaften finden Sie hier.

Wichtige Ressourcen und Möglichkeiten der Vernetzung bieten auch die Seiten der AG Historische Grundwissenschaften sowie des Netzwerks für Historische Grundwissenschaften.

Studieninhalte

Aktenkunde, Archivwissenschaft, Chronologie, Diplomatik, Editionswissenschaft, Epigraphik, Genealogie, Heraldik, Historische Geographie, Ikonographie, Kodikologie, Metrologie, Neue Medien, Numismatik, Onomastik, Paläographie, Prosopographie, Realienkunde, Sphragistik...

Veranstaltungen im Sommersemester 2016

Eichhoernchen
Detail einer Buchmalerei, Universitätsbibliothek Leipzig, Ms 1551

Kodikologie und Editionswissenschaft

Seminar: Mittelalterliche Handschriften aus dem Bestand der UB Leipzig - Ivonne Kornemann M.A. Fr. 9.00-18.00, Termine: 29.04.; 13.05.; 01.07. (Einführung am 08.04. 9.00, GWZ H5.216)

Neben den diplomatischen Quellen bilden die zahlreichen erhaltenen Handschriften des Mittelalters eine weitere bedeutende Quelle für den Historiker, da der Codex „in aller Regel ein exklusives Objekt [war], dessen Besitz und Benutzung auf die gelehrten und geistlichen Eliten beschränkt blieb“.

Im Seminar sollen zunächst die kulturhistorischen Grundlagen der Entstehung mittelalterlicher Handschriften vermittelt werden. In einem weiteren Schritt werden dann die Techniken und Methoden, die für die Erschließung dieser Quellengruppe notwendig sind, an originalen Objekten erlernt, gemeinsam erprobt und präsentiert.

Da im Seminar die Arbeit mit originalen Objekten im Vordergrund steht, ist es unumgänglich, das Seminar auf max. 15 Teilnehmer zu beschränken. Darüber hinaus sind belastbare Lateinkenntnisse unbedingte Teilnahmevoraussetzung.

Übung: Von der Handschrift zur Edition. Theorie und Praxis kritischen Edierens - Robert Friedrich M.Ed., Fr. 9.15-12.45, Termine: 08.04.; 15.04.; 22.04.; 27.05.; 03.06; 24.06.; 08.07.

„Was also bedeutet dem Historiker der Umgang mit seinen Quellen?“ fragt Arnold Esch und gibt die Antwort gleich selbst: „Er bedeutet ihm alles.“ Das kritische Edieren, das Erschließen von Quellen, bildet die Grundlage allen historischen Forschens, ist der Vermittler zwischen Archiv, Bibliothek und Universität oder Gesellschaft. Die Wissenschaft dahinter soll im Zentrum der Übung stehen.

Anhand von Beispielen aus verschiedenen Quellengattungen soll die Theorie verstanden und die Praxis geübt werden, Editionsvorhaben (MGH, Codex Diplomaticus Saxoniae, Acta Sanctorum etc.) und ihre Prinzipien kennengelernt und Editionsprobleme in Vergangenheit und Gegenwart diskutiert werden. Im Zentrum steht die Frage: Was passiert(e) auf dem Weg von der Quelle zur gedruckten Edition?


Studierende bei der Arbeit mit Originalen der UB Leipzig

Veranstaltungen im Wintersemester 2015/16

Quellenkunde

Seminar: Musik in den Quellen des Mittelalters (Ivonne Kornemann, M.A./Kim Grote, M.A.), Fr. 9:15-12:30 (14-tägig)

Musik, heute wie im Mittelalter allgegenwärtig, führt innerhalb der mediävistischen Forschung ein Schattendasein, dass wie Achim Diehr2004 ausführte, auf die fehlenden Notenkenntnisse der Mediävisten zurückzuführen sei wodurch es ihnen schwer fällt, melodischen Ausführungen im Detail zu folgen.

Das Seminar will daher, zusammen mit Studierenden der Musikwissenschaft, das Forschungsfeld Musik in den Blick nehmen. Neben der Auseinandersetzung mit den Arbeitsmethoden der Geschichts-und Musikwissenschaft, soll an ausgewählten Beispielen der kritische Umgang mit schriftlichen, bildlichen und gegenständlichen Quellen, deren Aussagegehalt und Interpretation sowie die Überlieferungs-probleme diskutiert und erprobt werden, um so, aus verschiedenen fachlichen Blickwinkeln, Schlussfolgerungen über musikalische Praxis im Mittelalter und ihre Tradierung zu ziehen.

Übung: Quellenkritik am Beispiel Wilhelms von Tyrus (Eric Böhme, M.A.), Fr. 11:15-14:30 (14-tägig)

Wilhelm von Tyrus (ca. 1130 –1186) zählt zu den wichtigsten Chronisten des Mittelalters. Aufgewachsen im Kreuzfahrerkönigreich Jerusalem zog er zum Studium nach Europa und begann nach seiner Rückkehr in den Lateinischen Osten eine beispiellose geistliche und weltliche Karriere, die ihn bis ins Amt des Erzbischofs von Tyrus, aber auch in das des königlichen Kanzlers und Beraters brachte. Seine Historia Ierosolymitana, eine umfangreiche Geschichte der Kreuzfahrerstaaten in 23 Bänden, stellt bis heute die mit Abstand wichtigste Quelle zur Erforschung Outremers dar. Durch seine politische Stellung am Königshof hatte Wilhelm einen einzigartigen Einblick in die Innen-und Außenpolitik Jerusalems, doch ließ er in seine Darstellung ganz bewusst eigene Sichtweisen und Überzeugungen mit einfließen.

Anhand ausgewählterTextbeispiele aus dieser hochinteressanten Quelle wollen wir in unserer Übung grundlegende Methoden der Quellenkritik erlernen, anwenden und vertiefen. Unbedingte Teilnahmevoraussetzung für die Veranstaltung sind belastbare Lateinkenntnisse sowie die Fähigkeit, englische Fachtexte lesen und schnell erfassen zu können. Kenntnisse in modernem Französisch sind ebenfalls von Vorteil, werden aber nicht vorausgesetzt.

Veranstaltungen im Sommersemester 2015

Paläographie

 

Seminar: Paläographie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit - Ivonne Kornemann, M.A., Freitag, 9.15-12.30 (14-tägig)

Frau Boeselager bemerkte bereits 2004 in ihrer Einführung zur Paläographie: „Schrift ist heute in erster Linie als Druckschrift präsent; im 21. Jahrhundert hat die Schreibschrift immer weniger Bedeutung im Alltag“. Für den Historiker ist jedoch im Umgang mit den schriftlichen Quellen, die Fähigkeit Schreibschriften zu lesen von elementarer Bedeutung, gerade im „Zeitalter“ der Digitalisierung!

Das Seminar will daher, vornehmlich an originalen Objekten aus der Sondersammlung der Universitätsbibliothek Leipzig, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowohl theoretische als auch praktische Kenntnisse der Paläographie vermitteln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der mittelalterlichen Schriftentwicklung. Auf der Grundlage des erworbenen Wissens soll dann von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine kleine Kabinettausstellung (Konzeption, Erstellung der Ausstellungstexte, etc.) erarbeitet werden, die im Anschluss an das Seminar in den Räumen der Universitätsbibliothek zu sehen sein wird.

Ausführliche Informationen zur Ausstellung mit Abbildungen und Beschreibungen der Exponate sowie einem kleinen paläographischen Glossar.

Plakat zur Ausstellung "Das kann doch kein Schwein lesen"

Übung: Paläographie in ihrer praktischen Anwendung - Dr. Marcel Korge (Karl-Sudhoff-Institut), Mittwoch, 17.15-18.45

Die Übung, die das Seminar ergänzt und sich vornehmlich als reine Leseübung versteht, thematisiert die Schriften des 16. bis hin zum 20. Jahrhundert.


letzte Änderung: 07.09.2016 

Kontakt

Prof. Dr. Wolfgang Huschner

Historisches Seminar
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte
Beethovenstraße 15
04107 Leipzig

Raum 4.208

Telefon: +49 341 97 37081
E-Mail